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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  eine  Summa  legum  incerti  auctoris.

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Schriften  von  Decretisten,  die  er  vorzugsweise  benützt  hat,
namentlich  die  Hostiensis  und  Johannes  Andreae,  während  verhältnissmässig
  nur  kleine  Materien  denen  der  Legisten  entnommen ­
  sind.  Das  Werk  ist  wie  jede  geistige  Arbeit  das
Product  ihrer  Zeit.  Während  aber  der  Schriftsteller  heutzutage ­
  bemüht  ist  seine  Plagiate  sorgfältig  zu  verhüllen,  oder
wohl  auch  ehrlich  seine  Quelle  nennt,  sah  die  Literatur  jener
Zeit  nichts  Unanständiges  darin  ganze  Stücke  anderwärts  wörtlich ­
  zu  entlehnen,  oder  sich  Theile  aus  anderen  Werken  ohne
Angabe  der  Quelle  anzueignen.  Dieselben  Definitionen,  dieselben ­
  Beispiele,  dieselbe  Reihenfolge  der  aufgeworfenen  Fragen
kehren  mit  denselben  Worten  immer  wieder.  Originalität  der
Auffassung  oder  Selbstständigkeit  der  Behandlung  sind  nur
höchst  ausnahmsweise  zu  finden.  Auch  in  dieser  Beziehung  steht
unser  Autor  unter  dem  Einflüsse  seiner  Zeit,  so  wenig  es  sich
andererseits  verkennen  lässt,  dass  uns  nicht  selten  ein  freies  Urtheil
  und  eine  unabhängige  Auffassung  wohlthuencl  entgegentritt.
Die  c.  26  —  31  des  I.  Buches  sind  nichts  Anderes  als
eine  mit  Ausnahme  -einiger  unbedeutender  Varianten  wörtlich ­
  übereinstimmende  Reproduction  der  Summa  de  sponsalibus
et  matrimoniis  des  Johannes  Andreae  super  quarto  libro
decretalium,  und  so  ist  auch  das  c.  70  desselben  Buches  eine
wörtliche  Wiedergabe  der  Schrift  desselben  Johannis  Andreae:
lectura  vel  summa  super  arboribus  consanguinitatis.  Johannes
Andreae  (vgl.  über  ihn  Savigny  VI,  98—125;  Stintzing  a.  a.  0.
151—186),  geboren  nach  1270,  lehrte  zu  Bologna,  starb  1348
an  der  Pest.  (Zur  Vergleichung  benützte  ich  bezüglich  der
ersteren  Schrift  den  Nürnberger  Druck  von  Hieronymus  Ilöltzel
vom  Jahre  1507,  15.  Mai,  für  die  zweite  den  des  Friederieus
Creuszner  de  Nurimbergo  vom  Jahre  1477.)  Hiernach  ist  die
m  allen  Handschriften  in  diesem  Capitel  öfter  vorkommende
Abkürzung  P.  durch  Petrucius  aufzulösen,  dem  Namen  des
Pedells  zu  Bologna,  mit  dem  sich  bekanntlich  Johann  Andreae
den  Scherz  machte  die  cella  vacua  auszufüllen.  Dieses  kleine,
in  zahlreichen  Abschriften  in  Deutschland  verbreitete  Schriftchen
  war  es  vorzüglich,  das  der  Annahme  der  römischen  Computationsweise
  der  Verwandtennähe  nach  Graden  gegenüber
der  deutschen  Zählung  nach  Sippen  den  grössten  Vorschub
daselbst  geleistet  hat.  Diese  zwei  Schriften  hat  nun  unser
            
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