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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

Gletscher  des  Ölztliales.

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Letztere,  grössere  bereits  aus  mehreren  kleinern  Becken  bestehende ­
  Ursprungsthäler  ausfüllend,  schieben  durch  das  Gewicht  der
grossen  Eismasse  ihren  Rutscher  oder  Kees  weit  unter  der  Schneelinie ­
  in  das  Thal  vor.
Die  Klüfte  der  liegenden  Gletscher  entstehen  durch  die  Seitenreibung ­
  an  den  Thalwänden,  der  Rutscher  spiesst  sich  gleichsam,
und  sie  nehmen  daher  eine  der  Länge  nach  an  den  Seiten  sich  ausspreitende ­
  Gestalt  an.
Wo  das  Thal  sich  wendet,  bilden  sich  Querklüfte  nach  dem
Halbmesser  des  Wendungsbogens.
Man  sieht  wie  am  Ursprünge  die  hangenden  Gletscher  mit  dem
liegenden  zusammenfliessen,  sich  später  nur  mit  der  Zunge  berühren, ­
  und  endlich  ganz  absondern.
Die  Quer-Durchschnittslinie  der  Ausfüllung  senkt  sich  in  der
Mitte;  die  der  Zungen  und  Rutscher  aber  ist  gewölbt.
Man  sieht  wie  zwischen  den  aus  festen  Felsen  bestehenden
Strebepfeilern  der  Gebirgskämme  sich  Schuttkegel  oder  steile
Schuttdeltas  bilden.
Wie  dieses  Steingerölle  sich  vor  den  Zungen  und  Rutschern
befindet,  und  durch  sie  fortgeschoben  wird.
Wie  zwei  liegende  Gletscher  aus  verschiedenen  Thälern
nie  zusammenschmelzen,  sondern  sich  durch  Schutt  -  Moräne,
welche  bei  Gebirgsgraten  anfangen,  getrennt  neben  einander  fortschieben. ­

Man  sieht  wie  in  den  durch  Erdwärme  gebildeten  Höhlen  der
ausfüllenden  Eisdecke  ein  Flussgeäder  vorhanden  sein  muss,  wie
es  gewöhnlich  oberirdisch  besteht,  da  am  Ende  der  Zungen  und
Rutscher  die  Gewässer  nicht  als  schwache  Quellen,  sondern  als
bedeutende  Bäche  aus  den  Gewölben  herYorbrechen.
Mehr  als  jede  andere  Gletschergruppe  dürfte  gerade  die  vorliegende ­
  interessant  sein,  und  die  Aufmerksamkeit  der  Naturforscher
verdienen,  weil  hier  zwei  Beispiele  der  Bildung  von  Gletscher-Seen
Vorkommen,  der  Gurgler-See,  der  jedes  Jahr  den  dammbildenden
Rutscher  des  Özthaler  Ferner  durchbohrt,  und  der  schon  so  oft
durch  den  Vernagt-Ferner  gestaute  Rofner  See.  Ich  verweise
hierüber  auf  die  lehrreiche  kleine  Schrift:  „die  Gletscher  des
Vernagt-Thales  in  Tirol  und  ihre  Geschichte”  von  Dr.  M.  Stotter.
Innsbruck  1846.
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