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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

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Haidinger.  Dichroskopische  Loupe.

fast  diamantglänzend  werden.  Das  yon  dieser  Fläche  zurückgestrahlte ­
  Licht  gibt  das  überraschende  Resultat  eines  obern  weissen
Bildes  0,  welches  alles  ordinär  zurückgestrahlte  Licht  enthält,  im  Gegensätze ­
  eines  untern  Bildes  E,  welches  das  schönste  Lasurblau  darstellt, ­
  das  selbst  bei  stärkerer  Neigung,  bei  grösseren  Einfallswinkeln
in  Yiolet  übergeht.  Das  Blau  ist  übrigens  beim  Austritte  vom  Jodblei ­
  ordinäres  Licht,  da  man  unter  allen  Einfalls-Azimuthen  dasselbe
Resultat  findet.  Das  Präparat,  an  dem  ich  diese  Erscheinung  erst  kürzlich ­
  wahrnahm,  verdanke  ich  meinem  verehrten  Freunde,  dem  k.  k.
Herrn  General-Probirer  A.  Löwe,  und  ich  habe  gerne  dieses  neue
Resultat  dem  altbekannten  des  Turmalins  angereiht,  um  die  grosse
Ausdehnung  zu  bezeichnen,  in  welcher  dieser  einfache  kleine
Apparat  mit  Yortheil  angewendet  werden  kann.
3.  Mit  Krystall-Platten  combinirt  lässt  sich  die  dichroskopische
Loupe  auch  als  Polariskop  anwenden.  Dickere  Platten,  die  auf  dem
für  die  LichtölTnung  durchbohrten  Bleche  in  ihren  eigenen  Ebenen
herumgedreht  werden,  zeigen  in  der  Richtung  der  optischen  Axen
begreiflich  constante  Licht-Intensitäten,  während  diese  in  anderen
Richtungen  nach  den  acht  einander  unter  45°  schneidenden  Richtungen ­
  wechseln,  wie  bei  andern  Polarisations-Apparaten.
Ganz  kleine  Fragmente  oder  Splitter  lassen  sich  leicht  auf  den
Pleochroismus  untersuchen,  wenn  man  sie  mit  Balsamkitt  zwischen  zwei
Glasplatten  einschliesst.  Ja  selbst  ein  Mikroskop  mit  der  stärksten  Vergrösserung
  kann  einfach  dadurch  in  ein  Mikroskop  im  polarisirten
Lichte  verwandelt  werden,  dass  man  eine  dichroskopische  Loupe  auf
das  Ocular  desselben  stellt,  und  dann  dem  Focus  angemessen  adjustirt.
Während  meiner  Studien  zur  Vollendung  dieses  Apparates  liess
ich  Muster  bei  PI  ös  sl,  Voigtländer,  Ec  kling  machen.  Eines
derselben  hat  das  Doppelspath-Theilungsprisma  senkrecht  auf  die
Kanten  abgeschnitten,  und  den  Schnitt  nur  mit  einer  dünnen  Glasplatte ­
  bedeckt.  Das  Ganze  wird  dadurch  noch  kürzer,  und  man  kann
die  zwei  Glasprismen  entbehren.  Aber  die  Fläche  polirt  sich  nicht
leicht,  weil  durch  die  Theilbarkeit  gern  dreieckige  Löcher  hineingerissen ­
  werden.  Gern  hätte  ich  wohl  noch  manche  Modificationen
in  der  Ausführung  versucht,  aber  selbst  bei  so  kleinen  Gegenständen
sind  verunglückte  Versuche  oft  unvermeidlich,  und  für  den  Naturforscher ­
  bei  unsern  gegenwärtigen  Verhältnissen  zu  zeitraubend
und  kostspielig.
            
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