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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

Differential-Gleichungen  der  Lichtschwingungen.  65
einer  bestimmten  Fortpflanzungsweise  des  Lichtes  entsprechenden
Gleichungen  aus  den  Phänomenen  seihst  abzuleiten.
Aus  dem  Gesagten  erhellet,  dass,  der  Arbeiten  von  Mac
Cullagh  und  Cauchy  ungeachtet,  in  der  Begründung  der  Undulationstheorie
  auf  theoretischem  Standpunkte  eine  Lücke  vorhanden
ist,  deren  Ausfüllung  die  Wissenschaft  fordert.  Es  scheint  mir  nicht,
dass  dieses  durch  neuere  Arbeiten,  wie  z.  B.  durch  jene  von  O’B  ri  en
im  Jahrgange  1844  des  Philosoph.  Magazine  (Bd.  2h,  S.  326
und  521)  und  durch  verschiedene  von  Laurent  der  Pariser  Akademie ­
  überreichte  Aufsätze,  wovon  die  Comples  rendus  von  1844
und  184h  gedrängte  Auszüge  enthalten,  auf  befriedigende  Weise
geschehen  sei,  und  desshalb  hoffe  ich  keinen  nutzlosen  Schritt  zu
thun,  wenn  ich  den  eigenthümlichen  Weg,  welchen  ich  zur  Erreichung ­
  dieses  Zieles  eingeschlagen  habe,  der  Beachtung  der  Sachkenner ­
  unterziehe.
Sobald  man  im  Sinne  der  Undulationstheörie  zur  Erklärung  der
Erscheinungen  des  Lichtes  das  Vorhandensein  des  Äthers  als  eines
besonderen  Stoffes  anninnnt,  eine  Annahme,  zu  welcher  die  Thatsaclie
der  Verbreitung  des  Lichtes  durch  Bäume,  worin  keine  andere
Materie  nachweisbar  ist,  nöthigt;  so  kann  man  wohl  nur  voraussetzen,
dass  die  Ätliertheilchen,  wie  immer  sie  sich  während  der  Fortpflanzung ­
  des  Lichtes  bewegen  mögen,  stets  in  der  Nähe  jener
Positionen  bleiben,  welche  sie  im  Zustande  der  Buhe,  d.  i.  als  kein
Licht  vorhanden  war,  inne  hatten:  dass  also  der  ruhende  Äther
sich  im  Zustande  eines  stabilen  Gleichgewichtes  befinde,  welches
eben  durch  die  Erschütterung,  die  durch  ihn  hindurch  geht,  gestört
worden  ist.  Ein  solcher  Vorgang  ist  aber  nur  bei  Annahme  von
bewegenden  Kräften  erklärlich,  welche  auf  jedes  einzelne  Äthertheilchen
  ausgeübt  werden,  und  diese  Kräfte  können  nur  von  den
benachbarten  Ätliertheilchen,  und  falls  die  Fortpflanzung  des  Lichtes
in  einem  Körper  vor  sich  geht,  von  den  Theilchen  dieses  Körpers
herrühren.  Welche  Vorstellung  man  sich  nun  über  die  Beschaffenheit ­
  des  Äthers  machen  will,  oder  auf  Grundlage  unbezweifelbarer
Thatsachen  machen  muss,  der  Annahme  dieser  Kräfte  kann  man  sich
nicht  entschlagen,  und  seihst  wenn  man  den  Äther  seinen  Raum  mit
Stetigkeit  erfüllen  lassen  wollte,  müsste  man  darin  vorerst  räumlich
geschiedene  auf  einander  einwirkende  und  der  Einwirkung  benachbarter ­
  Körperpartikel  unterliegende  Theilchen  betrachten.  Dieser
Sitz!>.  d.  malhem.-natunv.  CI.  I.  Bd.

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