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Haidinger. Metamorphose
Die Gebirgsfeuchtigkeit ist in den Gesteinen in beständiger Bewegung,
aber in einer sehr allmählichen. Ja sie kann oft als nahezu
unbeweglich angenommen werden, während die in derselben gelösten
Bestandtheile ihren Ort verändern, und der Wirkung chemischer
Kräfte freigegeben sind. Die Gebirgsfeuchtigkeit füllt alle zufällig
in den Gesteinen enthaltenen Hohlräume aus, Blasenräume geschmolzener
Massen, Klüfte, Spalten u. s. w. In diesen werden aufgelöste
Körper leicht abgesetzt. Sie sind durch die Wände in die Räume wie
durch ein Filtrum gedrungen; sie sind buchstäblich infiltrirt,
Die Materie kommt nicht durch einen einzelnen Punkt oder Canal
ursprünglich in den Raum, sei es Blasenraum, Gesteindruse oder
Gang, daher auch dieser Vorgang, ganz analog dem Durchdringen
der Flüssigkeiten durch die Poren des Filtrums, nicht dem Eintropfen
in ein Gefäss entspricht. L. v. Buch hat längst die Analogie der
Ausfüllung von Blasenräumen und Gängen ausgesprochen. Auch
Nöggerath hat in der neuesten Zeit viel Wichtiges über die
Bildung der Achatkugeln mitgetheilt.
Bei den Kugeln kann man grösstentheils den chemischen Bestand
aus dem Nebengestein erklären, bei den Gängen geht dies nicht
so leicht. Aber ihrer grösseren Ausdehnung wegen, hat man da auch,
wie Cotta sehr richtig bemerkt „einen viel grösseren Spielraum
für Translocationen.”
Die Gebirgsfeuchtigkeit verbindet die mit derselben in unmittelbarer
Berührung stehenden Extreme, auf einer Seite die grossen
Wasseransammlungen der Erdoberfläche, auf der andern die unbekannte
Tiefe, jene befinden sich in einem anogenen, diese in einem
katogenen Zustande, ein Gegensatz, der sich in der chemischen
Beschaffenheit der atmosphärischen Niederschläge und Oberflächenwasser
gegenüber der aus grossen Tiefen heraufdringenden Quellwasser
erkennen lässt.
Die Gebirgsfeuchtigkeit, sei sie wässeriger, sei sie durch
anfangende Schmelzung bedingt, feurig-flüssiger Natur, befindet
sich immer in dem Zustande der Amorphie. Corpora non agunt
nisi sint amorplia. Treffend sagt Fuchs: Dem kryst allin isclien
Zustande muss immer der amorphe vorausgehen
!). Aber das Amorphe ist in derThat noch ein dem flüssigen
l ) Über die Theorie der Erde, den Amorphismus fester Körper, u. s. w.