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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

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Haidinger.  Metamorphose

Die  Gebirgsfeuchtigkeit  ist  in  den  Gesteinen  in  beständiger  Bewegung, ­
  aber  in  einer  sehr  allmählichen.  Ja  sie  kann  oft  als  nahezu
unbeweglich  angenommen  werden,  während  die  in  derselben  gelösten ­
  Bestandtheile  ihren  Ort  verändern,  und  der  Wirkung  chemischer
Kräfte  freigegeben  sind.  Die  Gebirgsfeuchtigkeit  füllt  alle  zufällig
in  den  Gesteinen  enthaltenen  Hohlräume  aus,  Blasenräume  geschmolzener ­
  Massen,  Klüfte,  Spalten  u.  s.  w.  In  diesen  werden  aufgelöste
Körper  leicht  abgesetzt.  Sie  sind  durch  die  Wände  in  die  Räume  wie
durch  ein  Filtrum  gedrungen;  sie  sind  buchstäblich  infiltrirt,
Die  Materie  kommt  nicht  durch  einen  einzelnen  Punkt  oder  Canal
ursprünglich  in  den  Raum,  sei  es  Blasenraum,  Gesteindruse  oder
Gang,  daher  auch  dieser  Vorgang,  ganz  analog  dem  Durchdringen
der  Flüssigkeiten  durch  die  Poren  des  Filtrums,  nicht  dem  Eintropfen
in  ein  Gefäss  entspricht.  L.  v.  Buch  hat  längst  die  Analogie  der
Ausfüllung  von  Blasenräumen  und  Gängen  ausgesprochen.  Auch
Nöggerath  hat  in  der  neuesten  Zeit  viel  Wichtiges  über  die
Bildung  der  Achatkugeln  mitgetheilt.
Bei  den  Kugeln  kann  man  grösstentheils  den  chemischen  Bestand
aus  dem  Nebengestein  erklären,  bei  den  Gängen  geht  dies  nicht
so  leicht.  Aber  ihrer  grösseren  Ausdehnung  wegen,  hat  man  da  auch,
wie  Cotta  sehr  richtig  bemerkt  „einen  viel  grösseren  Spielraum
für  Translocationen.”
Die  Gebirgsfeuchtigkeit  verbindet  die  mit  derselben  in  unmittelbarer ­
  Berührung  stehenden  Extreme,  auf  einer  Seite  die  grossen
Wasseransammlungen  der  Erdoberfläche,  auf  der  andern  die  unbekannte ­
  Tiefe,  jene  befinden  sich  in  einem  anogenen,  diese  in  einem
katogenen  Zustande,  ein  Gegensatz,  der  sich  in  der  chemischen
Beschaffenheit  der  atmosphärischen  Niederschläge  und  Oberflächenwasser ­
  gegenüber  der  aus  grossen  Tiefen  heraufdringenden  Quellwasser ­
  erkennen  lässt.
Die  Gebirgsfeuchtigkeit,  sei  sie  wässeriger,  sei  sie  durch
anfangende  Schmelzung  bedingt,  feurig-flüssiger  Natur,  befindet
sich  immer  in  dem  Zustande  der  Amorphie.  Corpora  non  agunt
nisi  sint  amorplia.  Treffend  sagt  Fuchs:  Dem  kryst  allin  isclien
  Zustande  muss  immer  der  amorphe  vorausgehen ­
  !).  Aber  das  Amorphe  ist  in  derThat  noch  ein  dem  flüssigen

l )  Über  die  Theorie  der  Erde,  den  Amorphismus  fester  Körper,  u.  s.  w.
            
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