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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

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Aus  den  Verhandlungen

gebraucht,  so  wird  er  es  sogar  dem  Engländer  zuvorthun,  der,  an
einen  Grafen  oder  Herzog  schreibend,  denselben  Your  Lordship,
d.  i.  Eure  Herrlichkeit,  und  Your  Grace,  d.  i.  Euer  Gnaden,  betitelt.
Die  letzte  Anrede  sollte  füglich  nur  für  Frauen  Vorbehalten  sein,  oder
bei  Bedienten  geduldet  werden,  in  deren  Munde  auch  in  England
nur  das  Mylady  zu  hören  ist,  während  man  in  guter  Gesellschaft
nur  Madam  sagt.  Mehr  als  wider  die  Abschaffung  der  vielfach
Gehörnen  dürfte  wider  die  Umänderung  der  üblichen  Unterschriftsformeln ­
  einzuwenden  sein,  indem  selbst  die  Engländer  und
Franzosen  sammt  ihrem  Sir  und  Monsieur  den  Ir  es  humble  et  Ir  es
obeissant  sermteur  und  den  most  humble  and  mosl  obedient  Servant
  beibehalten  haben.  Dieses  erklärt  sich  wohl  aus  der  Anrede
des  Herrn,  welche  voraussetzt,  dass  der  Schreiber  ein  Diener
desselben,  sei  es  nun  ein  unterthänigster  oder  untertFälliger, ­
  ein  gehorsamster  oder  gehorsamer,  ein  ergebenster ­
  oder  ergebener.  Diese  Eigenschaftswörter  mögen  sich  nach
dem  gesellschaftlichen  Verhältnisse  des  Schreibenden,  zu  dem,  an
den  er  schreibt,  verschieden  gestalten,  ln  den  Schreiben  der  Akademie ­
  kommen  dieselben  ohnedies  nicht  vor,  es  wäre  aber  auch  sehr
zeitgemäss,  dass  sich  dieselbe  der  Eingangs  erwähnten  Titulaturen
entledige  und  hierin  nicht  nur  Österreichern,  sondern  auch  anderen
deutschen  Akademien,  in  deren  Zuschriften  diese  Titulaturen  bisher
beibehalten  worden,  mit  gutem  Beispiele  vorausginge.  Das  Wort
Monsieur,  Sir  oder  Herr,  als  Anrede  an  Jedermann  ist  eine  Geburt ­
  des  Mittelalters,  welche  in  neuer  europäischer  Sitte  so  festgewurzelt ­
  ist,  dass  selbst  die  jüngsten  Republikaner  Europa's,  die
Franzosen,  so  wie  die  Bewohner  der  vereinigten  Staaten  in  Amerika
nicht  anders,  als  mit  Monsieur  und  Sir  angeredet  sein  wollen;  in
den  alten  Republiken  ist  hiervon  keine  Spur  und  selbst  im  römischen
Kaiserreich  war  die  Anrede  Domine  nur  dem  Kaiser  Vorbehalten,
wie  dann  der  jüngere  Plinius  nur  den  Trajan  mit  Domine  anspricht.” ­

„Ohne  also  das  bei  allen  europäischen  Völkern  übliche  Herr  und
Diener  anfechten  zu  wollen,  beschränkt  sich  dieser  Vorschlag  bloss
auf  die  Abschaffung  der  Vorläufer  desselben,  nämlich  der  verschiedenen ­
  Gehörnen,  welche,  so  wie  die  Läufer  schon  abgekommen
sind,  auch  bald  gänzlich  ausser  Lauf  gesetzt  werden  dürften.  Hierzu
mache  die  kaiserliche  Akademie  der  Wissenschaften  den  Anfang.”
            
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