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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

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Hyrtl.  Über  den  Verlust  seiner

e)  Eine  sehr  merkwürdige  Erscheinung  ist  die  auffallende,
häufig  vorkommende  Asymmetrie  der  Harnblase.  Dieses  bei  wasserbewohnenden ­
  Thieren  scheinbar  nutzlose  Behältniss  liegt  nur  selten
vollkommen  symmetrisch,  seine  lange  Axe  mit  der  geraden  Körperaxe
  parallel.  Sie  weicht  entweder  nach  links  oder  nach  rechts  ab,
indem  sie  das  Mesorcliium  oder  das  Aufhängeband  des  betreffenden
Eierstockes  durchohrt,  oder  ihrer  ganzen  Länge  nach  an  die  eine
Seitenwand  des  Unterleibes  geheftet  erscheint.  Der  ausgesuchteste
Fall  dieser  Art  findet  sich  bei  der  Forelle,  wo  die  elliptische  Harnblase ­
  durch  ein  kurzes  Mesenterium  an  die  rechte  Bauchwand  geheftet
ist.  Selbst  symmetrisch  in  der  Medianlinie  gelegene  Blasen  werden
dadurch  unregelmässig,  dass,  wenn  sie  seitliche  Hörner  besitzen,
diese  an  Grösse  und  Richtung  differiren,  oder  nur  eines  derselben
vorhanden  ist,  wie  bei  Callionymus  Morrisonii,  wo  die  über  dem
linken  Ovarium  gelegene  Harnblase  von  ihrem  Grunde  ein  zum  rechten
Eierstock  herübergekrümmtes  Horn  aussendet.  Es  ist  leicht  zu  begreifen ­
  ,  dass  bei  einem  im  labilen  Gleichgewichte  schwimmenden
Thiere,  dessen  Schwerpunkt,  wie  bei  allen  Fischen,  über  dem  Mittelpunkte ­
  seiner  Masse  liegt,  ungleiche  Belastung  seiner  beiden  Hälften
leicht  ein  Umschlagen  des  Leibes  hervorrufen  würde,  wenn  nicht
die  Asymmetrie  der  übrigen  Eingeweide,  und  namentlich  der  Leber,
eben  durch  die  seitliche  Verschiebung  der  oft  sehr  voluminösen  Blase
corrigirt,  und  dadurch  die  horizontale  Richtung  und  die  aufrechte
Haltung  des  Fisches  auch  im  ruhenden  Zustande  möglich  gemacht
würden.  Auch  die  ungleiche  Grösse  der  recht-  und  linkseitigen  Blutadern ­
  und  ihrer  grossen  Sinuse  gibt  ein  wichtiges  statisches  Moment
für  die  Aecpiilibrirung  des  Fischleibes  ab.
Diese  Compensationsverhältnisse  sind  so  richtig  berechnet  und
wiederholen  sich  so  oft  in  derselben  Weise,  dass  es  möglich  ist,
beim  ersten  Blick  in  die  geöffnete  Bauchhöhle  eines  Fisches  zu  sagen,
ob  die  Blase  nach  links  oder  nach  rechts  abweichend  gefunden  werden ­
  wird.  Es  kommt  auch  vor,  dass  eine  seitlich  liegende,  sehr
lange,  cylindrische  Blase,  wie  sie  den  Schleimlischen  eigen  ist,  und
welche  im  gefüllten  Zustande  schwerer  als  der  Leberlappen  sein
würde,  welchem  sie  das  Gleichgewicht  zu  halten  hat,  sich  mit  ihrem
Scheitel  über  die  Wirbelsäule  weg  nach  der  andern  Seite  krümmt,
um  sich  selbst  zu  contrebalanciren.
            
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