Explosion der Locomotive „Jason”.
557
mehr, wenn man auch noch die Nachwirkung der über 10000 Kubikfuss
betragenden Dampfmasse dabei in Anschlag bringt, welche
sich unmittelbar nach erfolgter Explosion auf spontane Weise entwickelt
haben musste.
Wie leicht endlich das Glühendwerden des SO’ 1 "" Theiles des
Gewichtes der gesaminten Feuerflache, wozu nur eine Platte des
Feuerkastens von etwas mehr als 3 Quadratfuss gehört (welche also
sehr leicht mit Wasserstein belegt sein konnte, der später absprang)
möglich war, um die Dampfspannung wenigstens auf 24 Atmosphären
.zu erhöben, bedarf wohl keiner weitern Erörterung.
Durch diese, in so weit es hier als nöthig erscheint, wissenschaftliche
Untersuchung geleitet, stehe ich nun nicht an, die zweite
der oben aufgestellten Hypothesen als die allein richtige zu halten
und anzunehmen; dass ein Theil der Feuerfläche des Kessels oder
Feuerkastens entweder durch eine vorausgegangene Inkrustirung derselben,
oder auch durch ein zu weites Herabsinken des Wasserspiegels
im Kessel glühend geworden, und hierauf (im ersten Falle durch
das Abspringen der steinartigen Kruste) mit Wasser in Berührung
gekommen sei, wodurch sich nach Verlauf einer gewissen Zeit (wie
beim Leidenfrost’scben Phänomen) augenblicklich eine Masse von
so hoch gespannten Dämpfen entwickelte, dass dadurch allein schon,
ohne erst zu einer Knallgasbildung Zuflucht nehmen zu müssen, die
hier in Rede stehende Kesselexplosion mit allen ihren Consequenzen
erklärlich wird.
Man mag aber endlich dieser oder der ersten Hypothese den
Vorzug geben , und dabei wieder das Glühendwerden eines Theiles
der Feuerfläche des Kessels, der besagten Inkrustirung oder dem Herabsinken
des Wasserspiegels unter die Feuerlinie zuschreiben wollen:
so ergibt sich in allen Fällen aus dieser unglücklichen Kessel-Explosion
abermals die gewichtige Lehre, wie wichtig die sorgfältige
Reinigung jedes Dampfkessels zur Verhütung der Bildung von Wasseroder
Kesselstein und die nie genug zu beachtende Vorsicht sei, den
Wasserstand niemals unter die Feuerlinie herabsinken zu lassen, und
wenn dieses aus was immer für Ursachen dennoch geschehen sein
sollte oder der Maschinist auch selbst nur die Vermuthung hätte,
dass dies Statt gefunden und ein Theil der Kesselwand oder Feuerrohren
bereits glühend geworden sein könnte, der Kessel um keinen
Preis und unter gar keiner Bedingung mit Wasser früher gespeist