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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

Explosion  der  Locomotive  „Jason”.

S49

Fragt  man  nun  um  die  wahrscheinliche  Ursache  dieser  so
heftigen  Explosion,  sucht  man  herauszubringen,  wie  und  auf  welche
Weise  der  Dampfdruck  so  ausserordentlich  über  sein  normales  Mass
konnte  gesteigert  worden  sein;  so  muss  man,  leider!  gestehen,
dass  sich  auch  liier  wieder,  wie  bei  allen  solchen  Ereignissen,  wobei
diejenigen,  welche  allenfalls  einen  näheren  Aufschluss  darüber  geben
könnten,  dabei  mit  zu  Grunde  gehen,  nur  Vermuthungen  aussprechen ­
  lassen,  wofür  es  keine  positiven  Beweise  gibt.  In  dem
vorliegenden  Falle  bleibt  daher  nichts  anderes  übrig,  als  Hypothesen ­
  aufzustellen  und  mit  Berücksichtigung  aller  authentischen
Aussagen  und  beglaubigten  Umstände  auf  wissenschaftlichem  Wege
zu  untersuchen,  welche  davon  die  grössere  Wahrscheinlichkeit  für
sich  habe.
Ich  will  nun  im  Nachstehendenversuchen,  zwei  Hypothesen
aufzustellen  und  hinsichtlich  ihrer  grossem  oder  geringem  Wahrscheinlichkeit ­
  mit  einander  zu  vergleichen.
Die  erste  Hypothese  besteht  in  der  Annahme,  dass  sich  im
Kessel  Knallgas  gebildet  und  entweder  durch  einen  elektrischen
Funken  oder  an  einem  glühenden  Bestandtheile  des  Kessels  entzündet
habe;  die  zweite  Hypothese  dagegen  darin,  dass  das  Wasser  mit
einem  Theile  des  glühend  gewordenen  Kessels  in  Berührung  gekommen ­
  und  sich  dadurch  plötzlich  eine  solche  Quantität  von  sehr
hoch  gespannten  Dämpfen  entwickelt  habe,  dass  lediglich  dadurch
diese  Kesselexplosion  bewirkt  wurde.
Wie  man  sieht,  so  gründen  sich  beide  diese  Hypothesen  auf  die
Voraussetzung,  dass  ein  Tlieil  der  Kesselfläche  oder  der  Feuerrohre
vor  der  Explosion  glühend  geworden  sei,  weil  nur  dadurch  überhaupt
die  zur  Bildung  von  Knallgas  nothwendige  Wasserzersetzung  möglich,
wenn  auch  desshalb  noch  nicht  wahrscheinlich  war.
Damit  aber  dieser  anomale  und  für  jeden  Dampfkessel  so  höchst
gefährliche  Zustand  eintreten  kann,  muss  entweder  der  Wasserstand
im  Kessel  unter  die  Feuerlinie  herabsinken,  oder  es  muss  sich  bei
hinlänglichem  Wasservorrathe  ein  Theil  der  Kesselwand  mit  einer
Schichte  von  sogenanntem  Wasser-  oder  -Kesselsteine  dergestalt
belegt  oder  incrustirt  haben,  dass  das  anliegende  Wasser  die  Metallfläche ­
  nicht  mehr  gehörig  abkühlen  und  gegen  das  Glühendwerden
schützen  kann;  ausserdem  muss,  nachdem  dieses  eingetreten,  diese
steinartige  Kruste  aus  irgend  einer  Veranlassung  abspringen.  und
            
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