492 Haidinger. Über die Ursache der Polarisationsbüschel etc.
dieser Mitteilung sind, aber in Hinsicht auf die Neuheit der Beobachtung
und vorzüglich darum hier eine Erwähnung verdienen möchten,
weil sie die Mannigfaltigkeit der Structurverhältnisse im Auge,
welche sich in ihren Wirkungen zeigt, noch mehr erweitert.
Man richte beide Augen gegen ein gleichförmig helles Gesichtsfeld,
zum Beispiel gleichförmig grauen Wolkenhimmel, sodann bedecke
man jedes Auge mit einer Hand vollständig, bis zum gänzlichen
Lichtausschlusse. Nachdem man einige Secunden lang das Auge
diesem Zustande angepasst hat, ziehe man eine Hand plötzlich hinweg,
so erscheint zunächst der Gesichtsrichtung ein etwas hellerer
Fleck, durch welchen in der Form eines Andreaskreuzes
zwei hellere Linien hindurchgehen. Die
letztem schneiden sich unter rechten Winkeln in der Verlängerung
der Seheaxe; sie schneiden unter Winkeln von 4S° die Vertical-und
Horizöntal-Linien. Die Erscheinung verliert bald an Lebhaftigkeit
und verschwimmt mit dem Eindrücke des übrigen Gesichtsfeldes.
Verdeckt man das Auge, mit welchem man die Beobachtung anstellen
will, mit einem dunkeln, am besten blauen oder violetten Glase , so
ist der Gegensatz mit dem hellen Grunde nicht so gewaltthätig, und
doch sieht man die Kreuzlinie sehr deutlich. Wird die Beobachtung
bei rechts oder links geneigter Lage des Kopfes angestellt, so erscheint
das Liniensystem ebenfalls geneigt, so dass bei einer Neigung
von 45° die eine Linie vertical, die andere horizontal ist. Zuweilen
sieht man zunächst dem Mittelpunkte noch einen hellen Hing, wenn
etwa das Auge durch einen dunkelfarbigen L ö we’schen Bing gereizt
war, wie man ihn beim Durchsehen durch dunklere gleichfarbige
Mittel öfters erblickt J ). Als ich die erste Nachricht über dieses
Andreaskreuz - Phänomen gab 3 ), glaubte ich eine Andeutung von
Erklärung auf die F'aserung der Krystall-Linse begründen zu können.
Spätere Mittheilungen von Dr. Wedl verlegen jedoch den sehr
wahrscheinlichen Ort der Bildung des Andreaskreuzes in die Hornhaut.
Diese besteht nämlich aus Fasern, die in verticaler und in
horizontaler Richtung über einander liegen. Es wird dadurch eine
Art von Gitter hervorgebracht, in welchem die Diagonalen der
1 ) Vergl. Berichte u. s. iv. I. S. 77.
2 ) Berichte u. s. w. II, S. 178,