488
Haidinger. Über die
laufenden Richtungen, und lassen auf diese Art gerade zunächst an
der Seheaxe einen etwas vertieften Raum zurück, der wie aus drei in
Winkeln zusammenlaufenden Linien gebildet ist J ). Diese Vertiefungen
sind mit kleinen kugelförmigen Körpern ausgefüllt. Ehen solche
kleine kugelförmige Körper finden sich auch zunächst der äusseren
und der inneren Oberfläche der Krystall-Linse. Die letzte Redeckung
der Krystall-Linse endlich gleicht die Unebenheit wieder aus.
Der Glaskörper zeigt keine so deutliche faserige Structur wie die
Krystall-Linse, ja sie ist eigentlich noch gar nicht an ihm nachgewiesen,
obwohl man nach Ilannover's Vorgänge eine gewissermassen
den Pomeranzen ähnliche keilförmige Zusammensetzung,
die aber weiter hinaus fortgesetzt zu dichotomiren scheint, ziemlich
deutlich erkannt hat. Man hat hier mehr haut- als faserartige
Lagen.
Die genauere anatomische Untersuchung scheint daher wenig
geeignet, die Ansichten zu begründen, welche Herr Si 1 h er mann
aufgestellt hat.
Herr J am in 2 ) geht von einem anderen Grundsätze aus, nämlich
von dem allgemeinen Polarisationsgesetze, wie es sich beim Durchgänge
durch Glasplatten zeigt, die hier von convexen und concaven
Linsen ersetzt werden, mit denen die Eildung des Auges — Hornhaut,
Krystall-Linse — verglichen wird. Auch hier darf ich einige
Eemerkungen hinzufügen.
Es heisst daselbst: „Das gebrochene Bündel wird also in der
Polarisationsebene zwei dunkle, mit ihren Scheiteln im Mittelpunkte
zusammenstossende und nach dem Umfange hin breiter werdende
Büschel darbieten, und in der darauf winkelrechten Ebene zwei helle
Büschel von ähnlicher Gestalt.” In Beziehung auf diesen Satz muss
bemerkt werden, dass die hellen Büschel in der Richtung der Polarisationsebene,
die dunkeln aber in der Richtung senkreckt auf dieselbe
erscheinen, also gerade umgekehrt von dem, was hier vorausgesetzt
wird. Man wird also wohl weniger auf eine Durchgangs- als auf
1 ) Vergl. Dr. C. Wedl. Über die Faserung der Krystall-Linse u. s. w. Berichte
über die Mittheilnngen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien II.
S. 200.
2 ) PoggendorlT’s Annalen, 1848, Bd. LXXIV, S. 145.