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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

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Reissek.  Über  die  Fasergewebe  des  Leines  etc.

Das  correspondirende  Mitglied  D.  S.  Reissek  berichtet  das
Ergebniss  einer  Reibe  von  Untersuchungen,  welche  derselbe  über  die
Fasergewebe  des  Leines,  des  Hanfes,  der  Nessel  und  Raumwolle
in  anatomischer,  chemischer  und  technischer  Beziehung  angestellt
hatte,  und  wobei  vorzüglich  die  Entwickelungsgeschichte  dieser
Gewebe,  dann  die  Veränderungen,  welche  sie  hei  ihrer  Verarbeitung
erleiden,  im  Auge  behalten  wurden.
Die  Entwickelungsgeschichte,  der  Bau  und  die  Veränderungen
der  Fasergewebe  sind  wesentlich  verschieden,  je  nachdem  sie  entweder ­
  Bastgewebe  sind,  wie  heim  Leine,  dem  Hanfe  und  der  Nessel,
oder  Haargewebe  wie  bei  der  Baumwollstaude.
Die  Hauptresultate  für  die  Bastgewebe  sind  folgende:
1.  Die  Fasern  des  Leines,  Hanfes  und  der  Nessel  sind  Zellen,
welche  frei  in  Intercellulargängen  zwischen  Rinde  und  Cambium  sich
bilden,  und  durch  Absetzung  von  Cellulose  in  Gestalt  einer  die  Wand
des  Intercellularganges  auskleidenden  Membran  entstehen.
2.  Die  Entwickelungsgeschichte  der  Bastzellen  ist  dieselbe,  wie
jene  der  Milchgefässe,  und  letztere  sind  nichts  als  Bastzellen,  welche
in  verschiedenen  Theilen  des  Pflanzengewebes  zerstreut  sind,  aber
zwischen  Rinde  und  Cambium  eine  besonders  starke  und  regelmässige
Schichte  bilden.
3.  Die  ausgebildete  Flachs-  und  Hanffaser  wird  durch  vollständige ­
  Ausfüllung  der  Höhlung  solid  und  verliert  das  Ansehen  einer
Zelle.
4.  Die  Veränderungen  der  Faser  beim  Rösten,  Dörren,  Brechen,
Schwingen,  Schlagen,  Reiben,  Hecheln,  Spinnen,  Zwirnen,  Weben
und  Bleichen,  so  wie  bei  der  Papierbereitung  sind  bloss  mechanische, ­
  die  chemische  Beschaffenheit  bleibt  unverändert.
5.  Die  Wirkung  der  Röste  besteht  in  einer  Auflockerung  und
tlieilweisen  Zerstörung  der  Rinde  und  des  Cambiums,  in  Folge  dessen
die  leichtere  Ablösbarkeit  der  Bastschichte  vom  Holzkörper  ermöglicht ­
  wird.  Durch  das  Brechen  wird  der  Holzkörper  von  dem  Baste
entfernt,  durch  das  Schwingen  die  Überreste  der  Rinde  und  des
Cambiums  abgelöst.  Durch  das  Hecheln  werden  die  Bastbündel
gespalten  und  verfeinert.
6.  Bei  der  Papierbereitung  werden  die  Fasern  zerstückt,  zerfranst ­
  und  zermalmt  und  in  eine  feinfaserige  und  flockige,  mittelst
Flüssigkeit  sich  verfilzende,  und  in  Blätter  und  Platten  leicht  zu
            
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