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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

458  Th.  w  ert  he  im.
Es  kann  mithin  nicht  bezweifelt  werden,  dass  die  flüchtige
Basis,  die  man  durch  den  eben  beschriebenen  Process  aus  dem  Piperin ­
  erhält,  in  der  That  Picolin  ist.  Als  wir  die  vorläufige  Notiz  publicirten,
  deren  ich  zu  Anfang  dieser  Abhandlung  Erwähnung  gethan,
hatte  Herr  Anderson  seine  schöne  Arbeit  über  diese  von  ihm  entdeckte ­
  Basis  noch  nicht  veröffentlicht.  Wir  hielten  daher  damals
unsere  flüchtige  Basis  für  Anilin,  indem  wir  uns  einzig  und  allein  auf
die  oben  erwähnten  Zahlenresultate  stützten.  Was  die  Abweichung
in  dem  Verhalten  anbelangt,  die  wir  anführten,  so  lässt  sie  sich  vielleicht ­
  aus  dem  Umstande  erklären,  dass  wir  zu  dieser  Beaction  eine
ziemlich  bedeutende  Menge  von  der  Basis  und  von  Albumin  anwendeten, ­
  und  dass  wir  das  Besultat  der  Einwirkung  erst  nach  einer
starken  Viertelstunde  der  Beobachtung  unterzogen.
Nachdem  wir  durch  diese  Besultate  die  Zusammensetzung  des
flüchtigen  Productes  der  Destillation  festgestellt  hatten,  erübrigte
uns  nur  noch  die  Untersuchung  des  festen  Bückstandes  in  der
Betörte.  Die  Mischung  nimmt  im  Verlaufe  der  Operation  eine  dunkelzimmtbraune
  Farbe  an.  So  lange  die  Erhitzung  dauert,  ist  sie
von  weicher  Consistenz,  indem  das  Piperin  bei  dieser  Temperatur
schmilzt.  Nach  dem  Erkalten  stellt  sie  sich  als  eine  harte  zusammengesinterte ­
  Masse  dar.  Wenn  die  Erhitzung  lange  genug  fortgesetzt ­
  worden  ist,  so  enthält  diese  Masse  nur  sehr  wenig  unverändertes ­
  Piperin,  aber  eine  grosse  Menge  eines  neuen  Productes,  welches
man  durch  folgenden  Vorgang  in  reinem  Zustande  erhalten  kann.
Man  behandelt  die  pulverisirte  Masse  zu  wiederholten  Malen  mit
grossen  Quantitäten  von  Wasser;  zu  diesem  Behufe  darf  man  jedoch
kein  warmes  Wasser  anwenden,  weil  sonst  die  Theilchen  zusammenbacken ­
  und  das  Wasser  die  Masse  nicht  mehr  durchdringen  kann.
Nachdem  man  auf  diese  Weise^  den  Überschuss  des  Kalihydrates ­
  entfernt  hat,  behandelt  man  den  getrockneten  und  neuerdings ­
  gepulverten  Rückstand  mehrere  Stunden  hindurch  mit  kaltem
Alkohol,  um  die  Spuren  von  Piperin  wegzubringen,  die  noch  vorhanden ­
  sein  können.  Hierauf  übergiesst  man  den  Rückstand  mit
hcissem  Wasser,  zu  welchem  man  einen  Überschuss  von  Salzsäure ­
  hinzufügt,  und  lässt  die  saure  Flüssigkeit  einige  Zeit  hindurch ­
  kochen.  Man  muss  hierbei  die  Vorsicht  beobachten,  die
Salzsäure  nur  allmählich  zuzusetzen,  um  eine  allzu  rasche  und  stürmische ­
  Entwickelung  der  freiwerdenden  Kohlensäure  zu  verhüten,
            
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