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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

Tli.  Wertheim.  Über  das  Piperin.  453
Das  correspondirendeMitglied,  Herr  Theodor  Wertheim,  liest
nachstehende  Abhandlung  über  das  Pip  erin.
Man  hat  in  neuester  Zeit  wiederholt  den  Versuch  gemacht,  aus
den  bisher  bekannten  Daten  mit  Hilfe  des  Raisonnements  eine  allgemeine ­
  Ansicht  über  die  Natur  und  Constitution  der  Alkaloide  abzuleiten. ­
  Die  Chemiker,  die  sich  diese  Aufgabe  stellten,  mussten  jedoch
hierbei  bald  die  Überzeugung  gewinnen,  wie  unzureichend  das  vorliegende ­
  Material  von  Erfahrungen  für  einen  derartigen  Zweck  sei.  Ich
glaube  desshalb,  dass  der  kleinste  Beitrag  zur  speciellen  Geschichte
einzelner  Körper  aus  dieser  Classe  von  Verbindungen  erwünscht  sein
muss  und  in  dieser  Erwartung  nehme  ich  keinen  Anstand,  die  Ergebnisse ­
  einiger  Versuche  über  das  Piperin  zu  veröffentlichen.  —  Bereits
vor  geraumer  Zeit  habe  ich  gemeinschaftlich  mit  meinem  Freunde,
Herrn  Prof.  R  o  c  h  1  e  d  e  r  zu  Lemberg,  eine  vorläufige  Notiz  über  diesen
Gegenstand  in  Liebig’s  Annalen  mitgetheilt.  Die  Details  der  Untersuchung, ­
  die  ich  hier  folgen  lasse,  sind  einem  grossen  Theile  nach  von
uns  beiden  gemeinschaftlich  ausgeführt  worden;  für  die  meisten  der
erhaltenen  Zahlenresultate  hin  ich  jedoch  allein  verantwortlich,  da
die  allzu  grosse  Entfernung  unserer  Wohnorte  die  gemeinschaftliche
Durchführung  unmöglich  machte.  Diese  Erklärung  hin  ich  den  Interessen ­
  meines  Freundes  schuldig,  auf  dessen  Aufforderung  ich  die
Redaction  unserer  gemeinschaftlichen  Arbeit  übernahm,  um  dieselbe
sofort  dem  Drucke  zu  übergeben.
Die  bisherigen  Versuche  in  Betreff  des  Piperins  beschränken
sich  auf  einige  Elementaranalysen  desselben.  Allein  man  weiss,  wie
schwankend  und  unzuverlässig  ohne  die  Controle  von  Zersetzungen
und  Verbindungen  die  Resultate  sind,  welche  die  Elementaranalyse
selbst  in  der  Hand  der  gewandtesten  Experimentatoren  für  die  Feststellung ­
  der  Zusammensetzung  hoch  zusammengesetzter  organischer
Verbindungen  liefert.  Unsere  erste  Bemühung  war  desshalb  dahin
gerichtet,  wo  möglich  das  reine  Platindoppelsalz  darzustellen.  Dies
gelang  uns  vollständig.  Wir  erhielten  das  Platindoppelsalz  in  sehr
schönen  ausgebildeten  Krystallen  des  hemiorthotypen  Systems  von
prächtiger  dunkel-orangenrother  Farbe.  Man  muss  zu  diesem  Ende
eine  concentrirte  alkoholische  Auflösung  von  mehrfach  umkrystallisirtem
  Piperin  mit  einer  concentrirten  weingeistigen  Auflösung  von
Platinchlorid  versetzen  und  die  Mischung,  nachdem  man  einen  Überschuss ­
  von  concentrirter  Salzsäure  hinzugefügt  hat,  mehrere  Tage
            
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