Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

allotropischen  Zustand  des  Phosphors.

31

erwärmt,  wo  er  in  den  gewöhnlichen  übergeht,  tritt  wie  sonst  die
Feuer-Erscheinung  ein.  Die  Einwirkung  des  Broms  hingegen  ist
von  Feuer-Erscheinung  begleitet.  Jod  wirkt  bei  gewöhnlicher  Temperatur ­
  zwar  nicht  auf  den  amorphen  Phosphor,  heim  Erwärmen
erfolgt  die  Verbindung  jedoch  ohne  alle  Feuer-Erscheinung.  Man
kann  überhaupt  sagen,  dass  dem  amorphen  Phosphor  die  Fähigkeit,
sich  unter  Licht-Erscheinung  mit  anderen  Körpern  zu  verbinden,  in
einem  weit  geringeren  Grade  zukommt,  als  dem  gewöhnlichen.  Nur
in  wenigen  Fällen  wird  durch  die  grössere  Anzahl  von  Berührungspunkten, ­
  welche  der  fein  vertheilte  amorphe  Phosphor,  im  Vergleiche
mit  dem  gewöhnlichen,  den  Körpern  darhietet,  eine  raschere  Einwirkung ­
  auf  ersteren  bedingt.  Dies  geschieht  z.  B.  heim  Chlorwasser ­
  und  namentlich  bei  der  Salpetersäure,  welche  letztere  denselben ­
  unter  Aufbrausen  auflöst.  Verdünnte  Kalilauge  wirkt  auch
heim  Kochen  nur  höchst  unbedeutend  auf  den  amorphen  Phosphor,
concentrirte  hingegen  löst  denselben  unter  Entwickelung  von  reinem,
nicht  selbst  entzündlichen  Phosphor  —  Wasserstoffgas.  Die  Wirkung
der  Kalilauge  auf  den  amorphen  Phosphor  ist  aber  noch  eine  andere.
Lässt  man  denselben  nämlich  durch  einige  Zeit  mit  sehr  concentrirter
Kalilauge  in  Berührung,  oder  kocht  man  ihn  einige  Augenblicke  mit
einer  weniger  concentrirten  Lauge,  so  nimmt  derselbe  eine  dunkelchocoladebraune,
  fast  schwarze  Farbe  an,  und  zwar  eine  um  so
dunklere,  je  feiner  er  vertheilt  ist.  Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass
der  Thenard’sche  schwarze  Phosphor  nichts  anderes  ist,  als
gewöhnlicher  Phosphor,  dem  dieser  dunkle  amorphe  Phosphor  beigemengt ­
  ist,  und  der  dann  gleichförmig  schwarz  erscheint,  wie  er
durch  Beimengung  des  rothen  diese  Farbe  annimmt.
In  technischer  Hinsicht  wichtig  ist  das  Verhalten  des  amorphen
Phosphors  gegen  solche  Oxyde,  die  ihren  Sauerstoff  nicht  zu  fest
halten,  oder  gegen  Superoxyde,  die  einen  Theil  desselben  leicht  an
andere  Körper  abgeben,  oder  endlich  gegen  Salze,  welche  von
sauerstoffreichen,  leicht  zerlegbaren  Säuren  gebildet  werden.  Wird
derselbe  nämlich  mit  diesen  Körpern  zusammen  gerieben,  so  erfolgt
die  Entzündung  des  Phosphors  bei  einigen  unter  Verpuffung,  hei
anderen  unter  ruhigem  Abbrennen.  Beim  Erwärmen  mit  diesen  Körpern ­
  finden  ähnliche  Erscheinungen  Statt.  Gelingt  es,  ein  im  Grossen
leicht  ausführbares  Bereitungsverfahren  des  amorphen  Phosphors  zu
finden,  was  nach  den  eben  mitgetheilten  Daten  wahrscheinlich  bald
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.