Über den Antigorit.
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erscheinen. Der Brechungsexponent des Antigorits, sowie der verwandten
Krystalle ist noch unbekannt; nimmt man die nicht unwahrscheinliche
Zahl 1.SS0 an, welche für Körper dieser Art wohl ein
mittleres Yerhältniss darstellt, so würde der \Winkel, den die
optischen Axen im Krystall einschliessen = 22°22‘ sein, oder etwa
22 Grad, da es nicht um Minuten zu thuri sein kann, wo das Ganze
nur auf Schätzung beruht.
So unvollkommen diese Beobachtungen auch sind, was zum
Theil wohl in der Natur der Sache gegründet ist, so habe ich doch
geglaubt, sie jetzt schon mittheilen zu sollen, um der Aufmerksamkeit
der Mineralogen und Optiker diesen merkwürdigen Körper zu
empfehlen, aber auch um das freundliche Zutrauen des hochverehrten
Gebers nicht zu lange hinzuhalten, ohne den Erfolg der Untersuchung
zu berichten. Es ist aber der langsame Fortschritt von
Untersuchungen der unvermeidliche. Jeder aufmerksame Beobachter
wird gerne zugeben, dass von der ersten Wahrnehmung bis zur vollen
Sicherstellung so mancher Thatsache fortgesetzte Aufmerksamkeit
unter mancherlei Verhältnissen nothwendig gewesen ist Auch beim
Antigorit wird sich später noch Manches genauer erörtern lassen.
Die erste Platte Antigorit, welche ich erhielt, war ziemlich
dunkel lauchgrün gefärbt, geradschiefrig, mit einem ausgezeichnet
feinsplittrigen Bruch, die zarten Splitter zum Theil in blumenartigen
Zeichnungen, einigermassen an die Eisblumen an gefrornen Fensterscheiben
erinnernd. DieLocalität derselben dasAntigoriothal nördlich
von Domo d'Ossola in Piemont. Die Platten sollen dort bis zu einen
Fuss lang gefunden werden. Später sandte Herr D. Wiser noch
zwei andere Varietäten von derselben Speeies, die mit dem gewöhnlichen
Antigorit und gemeinen Asbest zusammen Vorkommen, und
zwar nach den Angaben der Finder „am Albern-B erg” (Mont-AlbmnJ
vier Stunden von Unterwasser, auf der Grenze zwischen Oberwallis
und Piemont. Die eine Varietät erscheint in dünnen hell lauchgrünen,
wellenförmig krummschiefrigen Platten, die so wie der geradschiefrige
Antigorit selbst etwas elastisch sind. Sie sind viel weniger
durchscheinend. Auch die andere Varietät ist etwas weniger durchscheinend;
diese ist zugleich etwas mehr grobschiefrig, und durch
Querklüfte in mehr rechteckige Stücke zerspalten. Beide zeigen
deutlich den oben beschriebenen Dichroismus. Herr Wiser fand
gleiche Reaction vor dem Löthrohre an sämmtlichen Varietäten.