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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

Über  den  Antigorit.

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erscheinen.  Der  Brechungsexponent  des  Antigorits,  sowie  der  verwandten ­
  Krystalle  ist  noch  unbekannt;  nimmt  man  die  nicht  unwahrscheinliche ­
  Zahl  1.SS0  an,  welche  für  Körper  dieser  Art  wohl  ein
mittleres  Yerhältniss  darstellt,  so  würde  der  \Winkel,  den  die
optischen  Axen  im  Krystall  einschliessen  =  22°22‘  sein,  oder  etwa
22  Grad,  da  es  nicht  um  Minuten  zu  thuri  sein  kann,  wo  das  Ganze
nur  auf  Schätzung  beruht.
So  unvollkommen  diese  Beobachtungen  auch  sind,  was  zum
Theil  wohl  in  der  Natur  der  Sache  gegründet  ist,  so  habe  ich  doch
geglaubt,  sie  jetzt  schon  mittheilen  zu  sollen,  um  der  Aufmerksamkeit ­
  der  Mineralogen  und  Optiker  diesen  merkwürdigen  Körper  zu
empfehlen,  aber  auch  um  das  freundliche  Zutrauen  des  hochverehrten ­
  Gebers  nicht  zu  lange  hinzuhalten,  ohne  den  Erfolg  der  Untersuchung ­
  zu  berichten.  Es  ist  aber  der  langsame  Fortschritt  von
Untersuchungen  der  unvermeidliche.  Jeder  aufmerksame  Beobachter
wird  gerne  zugeben,  dass  von  der  ersten  Wahrnehmung  bis  zur  vollen
Sicherstellung  so  mancher  Thatsache  fortgesetzte  Aufmerksamkeit
unter  mancherlei  Verhältnissen  nothwendig  gewesen  ist  Auch  beim
Antigorit  wird  sich  später  noch  Manches  genauer  erörtern  lassen.
Die  erste  Platte  Antigorit,  welche  ich  erhielt,  war  ziemlich
dunkel  lauchgrün  gefärbt,  geradschiefrig,  mit  einem  ausgezeichnet
feinsplittrigen  Bruch,  die  zarten  Splitter  zum  Theil  in  blumenartigen
Zeichnungen,  einigermassen  an  die  Eisblumen  an  gefrornen  Fensterscheiben ­
  erinnernd.  DieLocalität  derselben  dasAntigoriothal  nördlich
von  Domo  d'Ossola  in  Piemont.  Die  Platten  sollen  dort  bis  zu  einen
Fuss  lang  gefunden  werden.  Später  sandte  Herr  D.  Wiser  noch
zwei  andere  Varietäten  von  derselben  Speeies,  die  mit  dem  gewöhnlichen ­
  Antigorit  und  gemeinen  Asbest  zusammen  Vorkommen,  und
zwar  nach  den  Angaben  der  Finder  „am  Albern-B  erg”  (Mont-AlbmnJ
vier  Stunden  von  Unterwasser,  auf  der  Grenze  zwischen  Oberwallis
und  Piemont.  Die  eine  Varietät  erscheint  in  dünnen  hell  lauchgrünen,
wellenförmig  krummschiefrigen  Platten,  die  so  wie  der  geradschiefrige
  Antigorit  selbst  etwas  elastisch  sind.  Sie  sind  viel  weniger
durchscheinend.  Auch  die  andere  Varietät  ist  etwas  weniger  durchscheinend; ­
  diese  ist  zugleich  etwas  mehr  grobschiefrig,  und  durch
Querklüfte  in  mehr  rechteckige  Stücke  zerspalten.  Beide  zeigen
deutlich  den  oben  beschriebenen  Dichroismus.  Herr  Wiser  fand
gleiche  Reaction  vor  dem  Löthrohre  an  sämmtlichen  Varietäten.
            
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