274 Ba umgartner. Wirkung der Luftelektricität
Was nun die Wirkung von Gewitterwolken auf die telegraphischen
Indicatoren anbelangt, so kann man Nachstehendes als durch
die Erfahrung bestätiget ansehen: Ziehen Gewitterwolken, wenn
auch in bedeutender Entfernung, längs der Telegraphenlinie hin, so
wird der Zeiger des Indicators bleibend abgelenkt. Die Richtung
dieser Ablenkung ist verschieden, nach Massgabe des elektrischen
Charakters der Wolke und der Richtung, welche ihre Bewegung in
Bezug auf den Leiter befolgt. Nähert sich die Wolke der Telegraphenstation,
so dauert die Ablenkung des Zeigers so lange, als diese
Annäherung besteht; sobald aber die Wolke anfängt, sich wieder zu
entfernen, geht auch die Ablenkung in die entgegengesetzte über.
Erfolgt in der Nähe der Station eine Entladung, so wird mit jedem
Schlage auch der Zeiger mit Heftigkeit abgelenkt, und oft auch der
Magnetismus der Nadel zerstört.
Schlägt der Blitz in den telegraphischen Leitungsdrath, so
lauft der elektrische Strom im Drathe oft auf eine sehr bedeutende
Entfernung fort, oder er verpflanzt sich längs der hölzernen Stützen
in die Erde. In letzterem Falle werden die Stützen meistens beschädiget.
So z. B. pflanzte sich die Wirkung eines am 17. August
v. J. in Olmiitz losgebrochenen Gewitters bis nach Triebitz, d. h.
10 Meilen weit, fort, und ein in letzterem Orte mit der Dratlispannung
beschäftigter Arbeiter erhielt beim Anfassen des Drathes
einen so starken Schlag, dass er einige Schritte zurücktaumelte, und
an den Fingern, mit welchen er den Dratli gefasst hatte, empfand
er einen Schmerz, als hätte er einen sehr heissen Körper berührt.
Zu dieser Zeit war in Triebitz der Himmel ganz heiter. Am 2b. desselben
Monats kam bei Olmiitz um b Uhr Nachmittags ein heftiges
Gewitter zum Ausbruch, und zerschmetterte auf der Strecke gegen
Brodele hin eine Tragsäule. Ein Theil des elektrischen Stromes fuhr
an dieser Säule zur Erde, ein anderer ging in der Richtung gegen die
Prager Bahn im Drathe fort, und in die dahin führende Luftleitung
über. Da diese aber damals noch nicht vollendet, und der Drath in
einer Wagenremise unter einer blechernen Rinne endete, so ist die
Elektricität wahrscheinlich auf diese Rinne übergesprungen, denn
der Drath war daselbst so abgeschmolzen, dass er am Ende eine
kleine Kugel bildete. Um Mitternacht vom 18. zum 19. Juni v. Jentlud
sich ein schweres Gewitter zwischen Brünn und Raigern,
zerschmetterte zwei Tragsäulen ganz, und beschädigte neun andere