214 Görgey. Über die fetten
Sie sind wahr in Bezug auf die Säuren des Cocosnussöles,
sie können aber leicht ihren Werth hei der Untersuchung anderer
salbenartiger Fette verlieren, wenn einmal die ähnlichen Reactionen
auf die Säuren 22 (C //) 0 4 (Cocinsäure von St. Evre) und
26 (C II) O t (?) ermittelt sein werden, weil diese Säuren wahrscheinlich
ebenso in ihren chemischen Eigenschaften den Übergang
von den nächst nieder stehenden zu den nächst höheren
Gliedern der fetten Reihe bilden werden, wie dies rücksichtlich
ihrer Atomzahlen der Fall ist.
Ich verberge es mir auch nicht, dass obige Reactionen nie
allein hinreichen werden, die Gegenwart der Caprin- oder Pichurimtalgsäure
ohne Anwendung der quantitativen Analyse unläughar
darzuthun; aber sie werden, glaube ich, immer Demjenigen von
einigem Nutzen sein, der sich mit der Gruppe der fetten Körper
vertraut machen will.
Jedenfalls wird man, diese Reactionen genau beachtend,
merklich an Zeit ersparen, und schon dies allein ist bei der Arbeit
der Fette wichtig genug. Die chemisch- reine Darstellung der
caprin- und pichurimtalgsauren Rarytsalze zum Reispiele, ist wegen
ihrer geringen Löslichkeit in Wasser sehr zeitraubend.
Man erhält durch die wiederholten Auskochungen Eimer von
Flüssigkeiten, welche filtrirt und wieder eingedampft werden
müssen. Mir blieb, um doch sobald als möglich zu einem Resultate
zu kommen, nichts anderes übrig, als das Krystallisiren der
Rarytsalze gleichsam fabriksmässig zu betreiben. Ich nahm sechs
grosse Kolben von drei Mass Inhalt, in drei derselben bereitete
ich die Lösungen, in den anderen drei wärmte ich Wasser vor.
Sobald das Wasser in einem der drei Kolben, welche die Barytsalze
enthielten, eine halbe Stunde gekocht hatte, filtrirte ich
kochendheiss durch Leinwand. Es ist keine Gefahr dabei, dass
von dem unaufgelösten Niederschlage etwas durchginge, weil
sich die Barytsalze in kochendem Wasser zu grösseren und kleineren
Klumpen zusammenballen, deren kleinster auch durch die
lockerste Leinwand nicht durchgeht. Ich filtrirte stets in die grössten
Berzeliusgläser, und, setzte die Auskochungen jedesmal so lange in
Einem fort, bis mein Vorrath von zehn dreimassigen Berzeliusgläsern
voll war. Dann liess ich die Lösungen erkalten, filtrirte das erste
Becherglas für sich, und ebenso auch das letzte ah, trocknete und
m