Abhandlung: die Auflösung der Gleichungen betreffend. 19!>
für Gleichungen bis zum vierten Grade besitzt, wird man wobt in
den seltensten Fällen, und etwa nur mit Ausnahme der quadratischen,
von einer solchen mit Vortheil Gebrauch machen können, um zur
Kenntniss der Wurzeln dieser Gleichungen zu gelangen. Ungleich
wichtiger für die Anwendung sind daher jene Methoden, welche die
Werthe der Wurzeln annäherungsweise bestimmen lehren. Soll aber
eine solche Methode an die Stelle einer strengen Auflösung der Gleichungtreten
können, so muss dieselbe nicht bloss jeden möglichen Grad
der Genauigkeit erreichbar machen; es ist auch noch notlnvendig,
dass man sichere Kennzeichen zur Beurtheilung des jedesmal erreichten
Grades dieser Genauigkeit besitze. Die von Fourier
vervollkommnete lineare Annäherungs-Methode, welche zuerst von
Newton in minder vollkommener Form angewandt worden ist, die
reellen Wurzeln der Gleichungen mit numerischen Coefficienten zu
erhalten, entspricht nicht nur jenen Forderungen, sondern empfiehlt
sich aucli durch Einfachheit des zu führenden Calculs. Kennt man
nämlich den Werth einer reellen Wurzel einer gegebenen Gleichung
mit numerischen Coefficienten bis zu einem bekannten Grade der
Genauigkeit, alsdann liefert eine zwei- oder mehrmal wiederholte
Anwendung der Operationen, welche die genannte Methode vorschreibt,
immer mehr und mehr Stellen von dem in Decimalbruchform
ausgedrückten Werthe der Wurzel, die dem wahren Werthe angehören,
wobei die Menge dieser Stellen mit der Anzahl dieser Wiederholungen
in einer geometrischen Progression wächst und zugleich
über den erlangten Grad der Genauigkeit der Wurzel mit befriedigender
Vollständigkeit Rechenschaft gegeben werden kann. Nach
dem gegenwärtigen Stande der Theorie der Gleichungen mit numerischen
Coefficienten zerfällt deren Auflösung in zwei wesentlich
von einander verschiedene Tlieile, deren einer sich mit der Trennung
der Wurzeln einer Gleichung, der andere aber mit der numerischen
Berechnung der getrennten Wurzeln beschäftigt. Die von Sturm,
Fourier und Cauchy entdeckten Lehrsätze setzen uns in den
Stand, in jedem besoiulern Falle einer Gleichung mit numerischen
Coefficienten, sofern dieselben nur reelle Zahlen sind, folgende
Fragen entscheidend zu erledigen: Hat eine vorgelegte Gleichung
reelle Wurzeln oder besitzt sie keine derselben? Wenn reelle Wurzeln
vorhanden sind, wie gross ist die Menge derselben? Zwischen
welchen Grenzen liegen diese reellen Wurzeln insgesammt, und
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