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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

168  Prechtl.  Über  die  Kristallisation  aus  dem  glühenden  Flusse.
Abstufungen  aus  dem  glühenden  Flusse  bilden  können,  und  die  in
dieser  Richtung  angestellten  Versuche  dürften  wohl  Resultate
gewähren,  die  Manches  von  dem,  was  jetzt  in  der  Geologie  noch
hypothetisch  ist,  thatsächlicli  aufklären  könnten.
Vielleicht  könnten,  und  zwar  auf  diesem  Wege  allein,  auch
einige  andere  Punkte,  die  noch  ganz  in  Dunkel  gehüllt  sind,  wie
die  Krystallisirung  des  Kohlenstoffes  in  Diamant,  ihre  Aufhellung
erhalten.  Wenn  man  einer  zu  schmelzenden  bleifreien  Glasmasse
etwa  4  pCt.  Kohlenpulver  zusetzt,  oder  auch  die  geschmolzene
Masse  mit  einer  hölzernen  Krücke  anhaltend  umrührt,  so  färbt  sich
dio  Masse  honiggelb,  und  zwar  vollkommen  gleichförmig,  ganz  eben
so,  wie  bei  der  Färbung  der  Glasmasse  durch  Eisen-,  Mangan-  oder
Kobalt-Oxyd.  Man  muss  also  annehmen,  dass  der  Kohlenstoff  in
der  Masse  hier  in  derselben  Art  aufgelöst  sei,  als  es  hei  den
genannten  Oxyden  der  Fall  ist.  Auf  der  anderen  Seite  haben  die
neueren  Beobachtungen,  im  Besondern  jene  des  Herrn  von  Helmreichen ­
  gezeigt,  dass  der  Diamant  in  dem  festen  Itakolumit  als
seinem  uranfänglichen  Muttergesteine  eingewachsen  sei,  und  alle
Diamanten,  welche  in  Ost-Brasilien  gewonnen  werden,  werden  aus
den  Ablagerungen  des  oberflächlich  zerstörten  Itakolumits  ausgewaschen. ­
  Diese  Felsart,  die  ziemlich  mächtige  Gehirgskuppen  bildet,
gehört  der  in  dieser  Gegend  verbreiteten  Region  des  Granit,  Gneis
und  Glimmerschiefers  an,  und  steht  besonders  zu  beiden  letzteren
in  Beziehung,  indem  sie,  wenigstens  an  der  westlichen  Seite  der  Serra
de  Grao-Mogör,  auf  einem  Gneisse  aufruht,  welcher  sich  durch  das
allmähliche  Verschwinden  des  Feldspaths  oder  Feldstrinkdem  Glimmerschiefer, ­
  und  durch  das  Auftreten  des  sandig-körnigen  Gefüges  des
Quarzes  dem  Itakolumit  nähert.  Diese  Felsart  ist  also  unbezweifelt
eben  so  gut  ein  plutonisches  Product,  als  der  Gneiss  oder  Granit-Gneiss,
  an  welchen  sie  sich  anscliliesst,  und  man  kann  sonach  mit
Wahrscheinlichkeit  annehmen,  dass  diese  in  der  Tiefe  geschmolzene ­
  und  theilweise  mit  Graphit  in  Berührung  gekommene  Masse
Kohlenstoff  aufgelöst,  und  denselben  bei  der  allmählichen  Abkühlung
als  Diamant  eben  so  ausgeschieden  habe,  wie  das  mit  andern  Krystallen
  der  Fall  ist,  die  man  in  der  Ablagerung  des  zersetzten  Itakolumits ­
  findet.
Zwar  könnte  man  einwenden,  dass  bei  einer  so  hohen  Temperatur ­
  der  Kohlenstoff  die  verschiedenen  Erdarten  reduciren,  und
            
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