168 Prechtl. Über die Kristallisation aus dem glühenden Flusse.
Abstufungen aus dem glühenden Flusse bilden können, und die in
dieser Richtung angestellten Versuche dürften wohl Resultate
gewähren, die Manches von dem, was jetzt in der Geologie noch
hypothetisch ist, thatsächlicli aufklären könnten.
Vielleicht könnten, und zwar auf diesem Wege allein, auch
einige andere Punkte, die noch ganz in Dunkel gehüllt sind, wie
die Krystallisirung des Kohlenstoffes in Diamant, ihre Aufhellung
erhalten. Wenn man einer zu schmelzenden bleifreien Glasmasse
etwa 4 pCt. Kohlenpulver zusetzt, oder auch die geschmolzene
Masse mit einer hölzernen Krücke anhaltend umrührt, so färbt sich
dio Masse honiggelb, und zwar vollkommen gleichförmig, ganz eben
so, wie bei der Färbung der Glasmasse durch Eisen-, Mangan- oder
Kobalt-Oxyd. Man muss also annehmen, dass der Kohlenstoff in
der Masse hier in derselben Art aufgelöst sei, als es hei den
genannten Oxyden der Fall ist. Auf der anderen Seite haben die
neueren Beobachtungen, im Besondern jene des Herrn von Helmreichen
gezeigt, dass der Diamant in dem festen Itakolumit als
seinem uranfänglichen Muttergesteine eingewachsen sei, und alle
Diamanten, welche in Ost-Brasilien gewonnen werden, werden aus
den Ablagerungen des oberflächlich zerstörten Itakolumits ausgewaschen.
Diese Felsart, die ziemlich mächtige Gehirgskuppen bildet,
gehört der in dieser Gegend verbreiteten Region des Granit, Gneis
und Glimmerschiefers an, und steht besonders zu beiden letzteren
in Beziehung, indem sie, wenigstens an der westlichen Seite der Serra
de Grao-Mogör, auf einem Gneisse aufruht, welcher sich durch das
allmähliche Verschwinden des Feldspaths oder Feldstrinkdem Glimmerschiefer,
und durch das Auftreten des sandig-körnigen Gefüges des
Quarzes dem Itakolumit nähert. Diese Felsart ist also unbezweifelt
eben so gut ein plutonisches Product, als der Gneiss oder Granit-Gneiss,
an welchen sie sich anscliliesst, und man kann sonach mit
Wahrscheinlichkeit annehmen, dass diese in der Tiefe geschmolzene
und theilweise mit Graphit in Berührung gekommene Masse
Kohlenstoff aufgelöst, und denselben bei der allmählichen Abkühlung
als Diamant eben so ausgeschieden habe, wie das mit andern Krystallen
der Fall ist, die man in der Ablagerung des zersetzten Itakolumits
findet.
Zwar könnte man einwenden, dass bei einer so hohen Temperatur
der Kohlenstoff die verschiedenen Erdarten reduciren, und