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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

ISO

K  o  11  a  i'.  Insecten-Larven

der  Muscidae  gehören.  Gewisse  Arten  dieser  Insecten-Familien
beschränken  sich  indess  nicht  darauf,  ihre  Brut  an  die  genannten
Stoffe  abzusetzen,  sondern  wählen  zu  vielen  auch  die  Leiber  noch
lebender  Thiere  und  Menschen,  vorzüglich,  wenn  einzelne  Theile
an  eiternden  Wunden  leiden.  Es  ist  daher  keine  besonders  seltene
Erscheinung,  in  Geschwüren  lebende  Maden  zu  finden  und  der  berühmte ­
  französische  Wundarzt  Larrey  will  während  des  Feldzuges ­
  der  Franzosen  in  Ägypten  die  Beobachtung  gemacht  haben,
dass  bei  Wunden,  in  welchen  sich  Fliegenmaden  zeigten,  der  Heilungsprocess
  viel  schneller  vor  sich  gehe  als  bei  andern.  Dringen
indess  diese  Thiere  in  edlere  Organe,  dann  verursachen  sie  auch
nicht  selten  höchst  unangenehme  Zufälle.  Ich  habe  in  meiner  „N  aturgeschiclite
  der  schädlichen  Insecten”  S.  51,  eines
Falles  erwähnt,  wo  eine  Fliegenlarve  in  dem  kranken  Ohre  einer
Frau  die  heftigsten  Schmerzen  und  Blutungen  verursachte  und
ähnlicher  Thiere,  welche  bei  einer  andern  Frau  durch  den  Nasenkanal ­
  in  die  Schleimhöhlen  der  Oberkiefer  eingedrungen  waren
und  während  der  Zeit  ihrer  Anwesenheit  alle  Erscheinungen  des
Gesichtsschmerzes  hervorgerufen  hatten.  Die  Larven  der  gewöhnlichen ­
  Stubenfliege,  Musca  domestica,  welche  in  grosser  Menge
aus  der  Vagina  einer  Frau  in  Klagenfurt  abgegangen,  hatten  eine
Gonorrhöe  zur  Folge,  und  die  Maden  einer  nicht  zu  eruirenden  Fliege,
welche  aus  der  Urethra  eines  Kranken  im  hiesigen  allgemeinen
Krankenhause  zum  Vorschein  kamen,  verursachten  die  schmerzlichsten ­
  Erectionen,  Kreuzsehmerzen  und  Polutionen.  Indess  der
interessanteste  Fall  von  einem  abnormen  Auftreten  der  Larven
der  Musca  corvina  Meig.  wurde  mir  von  einem  hiesigen  praktischen
Arzte  am  25.  Juli  1843  mitgetheilt.
Ein  19jähriges  Mädchen  litt  seit  mehreren  Wochen  an  gänzlicher ­
  Appetitlosigkeit,  es  vertrug  keine  andern  Speisen  und  Getränke ­
  als  Wasser  und  musste  durch  ernährende  Klystire  erhalten
werden;  sie  klagte  seit  längerer  Zeit  über  brennende  Schmerzen
in  der  Magengegend.  Endlich  fing  sie  zu  brechen  an  und  eine  Menge
Maden  kamen  bei  Mund  und  Nase  heraus.  Der  Ordinarius,  welcher
es  hier  mit  Eingeweidewürmern  zu  thun  zu  haben  glaubte,  brachte
die  Thiere  meinem  Freunde  Herrn  Dr.  Diesing  zur  Bestimmung,
der  sie  jedoch,  da  sie  keine  Eingeweidewürmer  waren,  mir  zur
Untersuchung  übergab.  Die  Thiere  waren  todt  und  konnten  daher
            
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