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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

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Haidinger.  Die  Galmeiveuzweigt

  sich,  doch  ist  die  ganze  Länge  kaum  über  dreissig  Klafter.
Der  Grund  der  Höhle  ist  mit  Kalksteinblöcken  tief  bedeckt;  es  gelang
nicht,  einen  Grund  von  Lehm  oder  Knochen  zu  entdecken.  Merkwürdig ­
  ist,  dass  die  Seitenwände  der  Höhle,  so  wie  sämmtliche
Tropfsteingebilde,  sowohl  diejenigen,  welche  von  der  Firste  und
den  Ulmen  zapfenförmig  herabhängen,  als  auch  die,  welche  stalaktitisch ­
  sich  auf  den  herumliegenden  Felsblöcken  anhäufen,  und  aufthürmen,
  „mit  einer  weissen  schmierigen,  unter  den  Fingern  leicht
zu  formenden  Masse  überkleidet  sind.”  Sie  wird  von  den  Besuchern
der  Höhle,  vorzüglich  den  Jägern,  ahgekratzt,  oder  mit  Messern
abgeschnitten,  und  Galmei  genannt,  was  wohl  die  Veranlassung  zum
Namen  der  Höhle  gab.
Die  Frauenhöhle,  besser  bekanntunter  dem  Namen  Frauenloch, ­
  ist  noch  kleiner  als  die  Galmeihöhle,  nur  etwa  20  Klafter
tief.  Sie  liegt  an  dem  südlichen  Abhänge  desselben  Gebirgsrückens
wie  die  vorige,  in  dem  sogenannten  Kappellengraben,  und  hängt
allem  Anscheine  nach  mit  derselben  zusammen,  obwohl  noch  keine
offene  Verbindung  nachgewiesen  worden  ist.  Sie  ist  noch  reicher
an  Tropfsteingebilden,  unter  welchen  eines  von  spitzkegelförmigem
Ansehen  mit  der  Gestalt  eines  mächtigen  Stubenofens  verglichen
wird.  Der  Boden  der  Höhle  ist  fester  Kalkstein,  in  einzelnen  Vertiefungen ­
  stehen  Wassersümpfe;  aber  auch  hier  findet  sich  am  Boden
und  an  den  Wänden  jene  weiche  oben  erwähnte  bergmilchartige
weisse  Masse.
Die  Rolle,  welche  nun  dieser  weissen  Masse  in  der  Bildung
der  Tropfsteine  zukommt,  wird  in  der  wissenschaftlichen  Darstellung ­
  derselben  noch  nicht  in  ihrer  vollen  Ausdehnung  gewürdigt.
Allerdings  finden  sich  auch  Tropfsteine,  die  an  der  Oberfläche  ganz
glatt  sind,  die  auch  nicht  mehr  an  Stärke  zunehmen,  desto  grössere
Aufmerksamkeit  verdienen  diese  beiden  Höhlen,  deren  Tropfsteine
sichtlich  noch  im  Zunehmen  begriffen  sind,  und  zwar  eben  durch
den  Ansatz  von  aussen,  welcher  nicht  unmittelbar  krystallinische
Materie  hervorbringt,  sondern  aus  dieser  schmierigen  weissen  Masse,
Bergmilch  besteht,  als  frischem  Niederschlage  aus  dem  kalkhaltigen
Wasser,  welches  aus  dem  oberhalb  der  Höhle  liegenden  umgebenden
Gesteine  zugeführt  wird.
Die  genaue  Betrachtung  eines  der  vorliegenden  Stücke,  zunächst
dem  unteren  Ende  eines  solchen  tropfsteinartigen  Zapfens  abge-
            
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