Kollar. Über den Palaemon anophtalmus.
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Herr Custos Kollar liest nachstehende Note:
Über ein neues sehr merkwürdiges Crustaceum aus den unterirdischen
Gewässern von Krain, welches Herr Custos H. Frey er an
das k. k. Hof-Naturalien-Cabinet cingesendet hat.
Die berühmten Höhlen von Krain beherbergen so manches
eigentümliche Thier, unter denen das allgemein bekannte Amphibium:
der ,01m, Proteus anguinus Laurenti (Hgpochthun Laurentii
Merrcm) das wichtigste ist.
Ein eigentümlicher Charakter mehrerer dieser Tliiere ist die
unvollkommene Entwickelung, ja sogar der Mangel der Sehorgane.
Beim Proteus anguinus erscheinen die Augen als kaum wahrnehmbare
schwarze Punkte unter der Haut, und sind nach der Beobachtung
des um die Naturgeschichte dieses Reptils so hoch verdienten Naturforschers
Herrn Hofrathes Karl v. Schreibers, Directors der k. k.
Hof-Naturalien-Cabinete, vorzugsweise nur bei jüngeren Individuen
wahrzunehmen, während sie bei älteren öfter ganz verschwinden.
Nachversicherung des Herrn v. Schreibers, welcher seit Jahren
den Proteus in Gefangenschaft beobachtete, verkümmert hei älteren
Individuen zuweilen nur ein Auge; ein Beweis, welch eine geringe
Wichtigkeit dieses Organ habe, von dem das Thier in seinem
dem Lichte nicht zugänglichen Wohnorte keinen Gebrauch machen
kann.
In neuester Zeit hat der um die Erforschung der Naturproducte
Krains so sehr verdiente Herr Ferdinand Schmid in Laibach in
den verschiedenen Höhlen seines Vaterlandes mehrere Insecten
entdeckt, welche ebenfalls keine Augen haben: ich erwähne hier
vor Allem eines Laufbärs, des Anophtalmus Schreib er sii Lehon.
Auch aus der Classe der Arachniden entdeckte Herr Schmid
eine ausgezeichnete Art der Afterscorpione Chelifer, welche ich
Chelifer longimanus nenne, hei dem ebenfalls keine Augen sichtbar
sind.
Vor wenigen Wochen schickte Herr H. Freyer, Custos des
National-Museums in Laibach an das hiesige Hof-Naturalien-Cabinet
ein Crustaceum, welches ebenfalls des Sehorgans entbehrt. Dieser
Krebs, welcher der Gattung Palaemon, Garneele, angehörte, und
dem ich den Namen Palaemon anophtalmus gegeben habe, ist
überdies darum merkwürdig, als er zu den wenigen Arten dieser
Gattung gehört, die ausnahmsweise im süssen Wasser Vorkommen,