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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

Kollar.  Über  den  Palaemon  anophtalmus.

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Herr  Custos  Kollar  liest  nachstehende  Note:
Über  ein  neues  sehr  merkwürdiges  Crustaceum  aus  den  unterirdischen ­
  Gewässern  von  Krain,  welches  Herr  Custos  H.  Frey  er  an
das  k.  k.  Hof-Naturalien-Cabinet  cingesendet  hat.
Die  berühmten  Höhlen  von  Krain  beherbergen  so  manches
eigentümliche  Thier,  unter  denen  das  allgemein  bekannte  Amphibium:
  der  ,01m,  Proteus  anguinus  Laurenti  (Hgpochthun  Laurentii
  Merrcm)  das  wichtigste  ist.
Ein  eigentümlicher  Charakter  mehrerer  dieser  Tliiere  ist  die
unvollkommene  Entwickelung,  ja  sogar  der  Mangel  der  Sehorgane.
Beim  Proteus  anguinus  erscheinen  die  Augen  als  kaum  wahrnehmbare ­
  schwarze  Punkte  unter  der  Haut,  und  sind  nach  der  Beobachtung
des  um  die  Naturgeschichte  dieses  Reptils  so  hoch  verdienten  Naturforschers ­
  Herrn  Hofrathes  Karl  v.  Schreibers,  Directors  der  k.  k.
Hof-Naturalien-Cabinete,  vorzugsweise  nur  bei  jüngeren  Individuen
wahrzunehmen,  während  sie  bei  älteren  öfter  ganz  verschwinden.
Nachversicherung  des  Herrn  v.  Schreibers,  welcher  seit  Jahren
den  Proteus  in  Gefangenschaft  beobachtete,  verkümmert  hei  älteren
Individuen  zuweilen  nur  ein  Auge;  ein  Beweis,  welch  eine  geringe
Wichtigkeit  dieses  Organ  habe,  von  dem  das  Thier  in  seinem
dem  Lichte  nicht  zugänglichen  Wohnorte  keinen  Gebrauch  machen
kann.
In  neuester  Zeit  hat  der  um  die  Erforschung  der  Naturproducte
Krains  so  sehr  verdiente  Herr  Ferdinand  Schmid  in  Laibach  in
den  verschiedenen  Höhlen  seines  Vaterlandes  mehrere  Insecten
entdeckt,  welche  ebenfalls  keine  Augen  haben:  ich  erwähne  hier
vor  Allem  eines  Laufbärs,  des  Anophtalmus  Schreib  er  sii  Lehon.
Auch  aus  der  Classe  der  Arachniden  entdeckte  Herr  Schmid
eine  ausgezeichnete  Art  der  Afterscorpione  Chelifer,  welche  ich
Chelifer  longimanus  nenne,  hei  dem  ebenfalls  keine  Augen  sichtbar ­
  sind.
Vor  wenigen  Wochen  schickte  Herr  H.  Freyer,  Custos  des
National-Museums  in  Laibach  an  das  hiesige  Hof-Naturalien-Cabinet
ein  Crustaceum,  welches  ebenfalls  des  Sehorgans  entbehrt.  Dieser
Krebs,  welcher  der  Gattung  Palaemon,  Garneele,  angehörte,  und
dem  ich  den  Namen  Palaemon  anophtalmus  gegeben  habe,  ist
überdies  darum  merkwürdig,  als  er  zu  den  wenigen  Arten  dieser
Gattung  gehört,  die  ausnahmsweise  im  süssen  Wasser  Vorkommen,
            
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