und der Exsudations-Intensität während des Vaccineprocesses. 727
ersten vollständig entwickelten und dem zweiten wenige Monate nach
Ablauf des ersten erregten rasch abgelaufenen Processes mitten inne
standen. Man hat nämlich häufig Gelegenheit, Fälle zu beobachten,
in denen es zur deutlichen Vesikelbildung mit impfbarem Contentum
kommt und die gleichwohl alle Stadien des Processes bis zur Abwertung
der Kruste in 5—6 Tagen durchlaufen. Diese Fälle unterscheiden
sich vom gewöhnlichen Verlaufe dürch nichts als durch kleinere
Dimensionen der Efflorescerizen und geringeres Fieber. Und ebenso
gibt es andere Fälle, in welchen die Dauer des Processes entweder
noch kürzer oderum weniges länger ist, als bei den zuletzt erwähnten.
Unter fast gleichen Umständen scheint die Dauer des durch eine
zweite Impfung erregten Processes mit der Zeit zu wachsen, die seit
der ersten Impfung verstrichen ist. Niemand wird diesen Fällen, des
gekürzten Verlaufes wegen, den Charakter des Vaccineprocesses
absprechen, so lange impfbares Secret in den Efflorescenzen erzeugt
wird. Allein der Umstand, dass bei noch weiterschreitender Abkürzung
der Stadien die Exsudation bereits zu gering ausfällt, um die
Epidermis zu heben und sich unter ihr als Tropfen zu sammeln,
erscheint uns kaum als ein hinreichender Grund, um den Vorgang für
etwas wesentlich verschiedenes, für etwas anderes anzusehen als für
einen sehr abgekürzten Vaccinationsprocess.
Wir haben zwar gesucht, für unsere Ansicht weitere Argumente
beizuschatfen; doch haben die zu diesem Zwecke angestellten Versuche
bisher zu keinem Resultate geführt. Da nämlich, wie wir schon
angedeutet haben, der vornehmste Einwand gegen die Annahme des
abgekürzten Vaccineprocesses in der Unmöglichkeit gesucht werden
dürfte, durch ein solches zum zweiten Mal vaccinirtes Individuum eine
Ansteckung zu vermitteln, so wurde der Versuch gemacht, mit dem
Blute eines eben zum zweiten Male vaccinirten in einem anderen Individuum
den Vaccineprocess zu erregen. Wäre dies gelungen, so wäre
damit auch jenem Einwurfe die Spitze genommen worden. Wir
kamen aber zu keinem positiven Resultate. Wiederholte Versuche,
angestellt im k.k. Gebärhause, gütigst gestattet vom Hin. Prof. Klein
und freundlich gefördert von dem damaligen Assistenten, jetzt Prof.
Braun, gaben stets ein negatives Ergebniss. Dass aber dieses
Ergebniss, so wenig es für die Richtigkeit der Ansicht spricht, eben
so wenig auch gegen sie entscheidet, geht unzweifelhaft daraus hervor,
dass auch eine Impfung mit dem Blute, das während des Pro-