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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

des  Circulations-,  Respirations-  und  Verdauungs-Apparates.  601

treten.  Möglich,  dass  einem  oder  dem  andern  Beobachter  es  leichter
gelungen  ist,  das  Darmrohr  gegen  die  Endpunkte  hin  früher  zu  sehen
als  in  der  Mitte,  dies  beweist  noch  keineswegs,  dass  die  Umwandlung ­
  der  Darmrinne  zu  einem  Canal  von  beiden  Enden  her  gegen  die
Mitte  erfolge,  und  ich  muss  hier  nur  wiederholen  was  ich  mehrmal
und  ausführlicher  bereits  besprochen  habe,  dass  ein  solches  successives
  Schliessen  nicht  nothwendig  ist,  weil  sich  der  Darm  bereits
als  geschlossener  Canal  allenthalben  entwickelt.
Und  hier  ist  es  wohl  am  Platze,  auch  die  Geschichte  der  einen
jener  beiden,  für  das  Leben  des  Foetus  so  äusserst  wichtigen  Blasen
ausführlich  darzustellen,  von  denen  eine  offene  Communication  mit  der
Darmhöhle  allgemein  angenommen  wird,  ich  meine  hier  die  Nabelblase ­
  und  den  Harnsack,  von  denen  die  erstere  mit  dem  Dünndarme,
letztere  mit  dem  Ende  des  Dickdarmes  communiciren  soll.
Ich  selbst  habe  über  die  Entwickelung  dieser  Blasen  wenig
eigens  dazu  bestimmte  Untersuchungen  angestellt,  jedoch  oft  genug
Gelegenheit  gehabt,  die  bisher  gangbare  Anschauungsweise  als  unbegründet ­
  zu  erkennen.  Ich  habe  daher,  gestützt  auf  meine  eigenen
Beobachtungen  und  auf  die  bisher  bekannten  Thatsachen  eine  neue
Theorie  der  Entwickelung  dieser  Blasen  versucht,  welche  ich  nunmehr ­
  mittheilen  werde.  Hierbei  muss  ich  auf  die  ersten  Anfänge  der
Entwickelung  des  Thierleibes  zurückgehen.
Ich  habe  im  Eingänge  dieser  Untersuchungen  dargethan,  dass  der
Foetus  sich  innerhalb  der  Dotterkugel  und  zwar  in  einer  derjenigen
Hauptmulden  entwickelt,  welche  durch  die  Furchung  des  Dotters
entstanden  sind.  Dieses  erste  Bild  der  Entwickelung  nehme  ich  wieder
auf,  und  habe  es  im  Folgenden  in  der  I.  Figur  neuerdings  dargestellt.
Hier  bedeutet  A  die  in  einer  der  Furchungsmulden  abgelagerte
Embryonalblase,  C  und  U  sind  die  beiden  Dottermassen,  in  welcher
das  ursprüngliche  Dottermateriale  sich  durch  den  fortgesetzten  Furchungsprocess
  eben  zertheilt  hat.  Die  in  der  Embryonalblase  und
dem  Centralkeime  zur  Zeit  auftretendem  Spaltungsphänomene  waren
es  nun  welche  zu  der  eigenthiimlichen  Theorie  der  Darmbildung  und
^abelblasen-Entwickelung  geführt  haben,  welche  von  Baer  gegeben
und  von  allen  späteren  Schriftstellern  über  dieses  Fach  adoptirt  wordenist. ­
  Durch  die  Spaltung  des  Embryonalbläschens  und  des  Centralkeimes ­
  erhält  dieser  nämlich  an  einem  Quer-  oder  auch  Längendurchschnitte ­
  die  in  der  Figur  I  dargestellte  Form,  und  da  hier
            
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