des Circulations-, Respirations- und Verdauungs-Apparates. 601
treten. Möglich, dass einem oder dem andern Beobachter es leichter
gelungen ist, das Darmrohr gegen die Endpunkte hin früher zu sehen
als in der Mitte, dies beweist noch keineswegs, dass die Umwandlung
der Darmrinne zu einem Canal von beiden Enden her gegen die
Mitte erfolge, und ich muss hier nur wiederholen was ich mehrmal
und ausführlicher bereits besprochen habe, dass ein solches successives
Schliessen nicht nothwendig ist, weil sich der Darm bereits
als geschlossener Canal allenthalben entwickelt.
Und hier ist es wohl am Platze, auch die Geschichte der einen
jener beiden, für das Leben des Foetus so äusserst wichtigen Blasen
ausführlich darzustellen, von denen eine offene Communication mit der
Darmhöhle allgemein angenommen wird, ich meine hier die Nabelblase
und den Harnsack, von denen die erstere mit dem Dünndarme,
letztere mit dem Ende des Dickdarmes communiciren soll.
Ich selbst habe über die Entwickelung dieser Blasen wenig
eigens dazu bestimmte Untersuchungen angestellt, jedoch oft genug
Gelegenheit gehabt, die bisher gangbare Anschauungsweise als unbegründet
zu erkennen. Ich habe daher, gestützt auf meine eigenen
Beobachtungen und auf die bisher bekannten Thatsachen eine neue
Theorie der Entwickelung dieser Blasen versucht, welche ich nunmehr
mittheilen werde. Hierbei muss ich auf die ersten Anfänge der
Entwickelung des Thierleibes zurückgehen.
Ich habe im Eingänge dieser Untersuchungen dargethan, dass der
Foetus sich innerhalb der Dotterkugel und zwar in einer derjenigen
Hauptmulden entwickelt, welche durch die Furchung des Dotters
entstanden sind. Dieses erste Bild der Entwickelung nehme ich wieder
auf, und habe es im Folgenden in der I. Figur neuerdings dargestellt.
Hier bedeutet A die in einer der Furchungsmulden abgelagerte
Embryonalblase, C und U sind die beiden Dottermassen, in welcher
das ursprüngliche Dottermateriale sich durch den fortgesetzten Furchungsprocess
eben zertheilt hat. Die in der Embryonalblase und
dem Centralkeime zur Zeit auftretendem Spaltungsphänomene waren
es nun welche zu der eigenthiimlichen Theorie der Darmbildung und
^abelblasen-Entwickelung geführt haben, welche von Baer gegeben
und von allen späteren Schriftstellern über dieses Fach adoptirt wordenist.
Durch die Spaltung des Embryonalbläschens und des Centralkeimes
erhält dieser nämlich an einem Quer- oder auch Längendurchschnitte
die in der Figur I dargestellte Form, und da hier