Untersuchungen über den ein- und zweiaxigen Glimmer.
55
schiedener Wellenlänge in (las Mittel dringt. Ich habe die Mittellinie
nicht variiren gefunden, so wie auch die Lage des Hauptschnittes
immer dieselbe blieb; da ich aber nicht im Stande war diese Verhältnisse
einer genaueren Prüfung zu unterwerfen, so kann ich hierauf
weniger Gewicht legen.
Goniometrische Messungen am Glimmer—und auf solche stützen
sieh die erwähnten Angaben über die klinoedrischen Abmessungen der
Grundgestalt — sind nur in wenigen Fällen möglich, und selbst
diese wenigen Fälle werden noch bedeutend reducirt, wenn man auf
folgende Beobachtungen Rücksicht nimmt. Der Glimmer zeigt ein
ausgezeichnetes Bestreben sich in der Ebene auszubilden und eine
Lamelle lagert über der andern, mannigfach nach rechts und links
verschoben. Sind die Verschiebungen von geringerem Betrage und
gleichmässig von Schicht zu Schicht, so entstehen glänzende aber
windschiefe Seitenflächen, wie man z. B. an dem Glimmer von
Weatherfield sehen kann; doch fehlen ähnliche Stellen fast nirgends
wo glänzende Prismenflächen Vorkommen; an solchen Stücken erhält
man Winkel, die sich jedem beliebigen Systeme accommodiren. Doch
auch wo die Seitenfläche vollkommen eben und keine Verschiebung
wahrnehmbar ist, kann man Werthe bekommen, die durchaus nicht
geeignet sind als Ausdruck des Moleculargesetzes zu dienen, welches
der Krystallisation zu Grunde liegt. Denn einerseits ist die Oberfläche
der Theilungsfläehe so gleichförmig und eben sie auch scheinen mag,
selten fehlerfrei wie man sich leicht überzeugt durch ein einfaches
Spiegeln; — gegen den Rand hin mehren sich diese Unregelmässigkeiten
und er ist meist entweder abwärts gedrückt oder leicht aufgeneigt;
andererseits findet man unter einer wohl ausgebildeten
Seitenfläche Unregelmässigkeiten im Innern des Krystalles verborgen,
wie das an den Glimmern von Zinnwald, Schlaggenwald, Kollin,
Pfintsch und Arendal wahrgenommen werden kann, wo oft ganz verschiedenartig
durch-, an- und auf einander geschichtete Lamellen
unter einer glänzenden und ebenen Hülle zu treffen sind. — Wo ich
immer Glimmer gefunden, die nicht durch Ausscheidung, sondern
auf dem Wege der Sublimation sich gebildet, war er höchst feinblätterig,
doch stets so, dass die Lamellen wie über einander
verschoben, parallel und auch nicht parallel gelagert erschienen
(Fig. 3), und nie findet man grössere Complexe völlig paralleler und
zugleich gleich grosser Blättchen was offenbar nothwendig ist um