des Circulations-, Respirations- und Verdauungs-Apparates. 531
nach dem bekannten allgemeinen Gesetze in Gefässröhren umstalten,
von denen jedes in den mittlerweile entwickelten von den andern
völlig getrennten Herztheil einmündet. Wenn es nun aber nach
Fig. 255 den Ansebein bat, als seien beide Gefässhölilen ursprünglich
von einander nicht getrennt, so rührt dies, wie in so vielen
andern Fällen einzig davon her, dass die Wand der neuen Keime an
den Stellen, wo sie sich berühren, erst zuletzt ihre Durchsichtigkeit
verliert, und hierdurch der Beobachtung unterworfen werden kann.
So entsteht daher die Aorta nicht aus beiden Ventrikeln, sondern
wenn sich eine Aorta entwickelt, nimmt sie ihren Ursprung aus einem,
nie aus beiden Ventrikeln. Wenn es nichtsdestoweniger Missbildungen
gibt, bei denen die Aorta aus beiden Ventrikeln zu entspringen
scheint, so hat dies eine andere Erklärung, welche bei einer andern
Gelegenheit gegeben wird.
Auch eine spiralige Drehung der Gefässe ist eben so wenig anzunehmen,
wie eine Drehung des ganzen Herzens selbst; die Keime
für beide Gefässe bilden sich vielmehr in der Nähe der Aortawurzel
mehr hinter einander; etwas höher hinauf mehr neben einander,
jeder an dem Orte, den das künftige Arterienrohr einzunehmen
hat.
Über die Entstehung der Klappen beider Arterien habe ich keine
Erfahrung, doch glaube ich annehmen zu können, dass ihre Bildung
eine analoge ist, wie jene der venösen Klappen des Herzens.
Betrachtet man nämlich die Figur, welche durch die Berührung
dreier rundlicher Keime gebildet wird (Fig. 257), so wird man hierdurch
wohl leicht zur Annahme bestimmt, dass der ganze Klappen-Apparat
in der That aus 3, zuweilen aus 4 solcher Keime sich bilde,
von denen (nach Analogie mit dem früher erwähnten Bildungsgänge
der Mitralklappe) ein Theil der Peripherie zum hautartigen Klappensegel
sich umstaltet, während alles Übrige sich in flüssigem Inhalte
des Gefässrohres verliert. Der weitere Verlauf und die Ausbildung
der Pulmonalarterie soll später zur Sprache kommen.
An den Vorhöfen ist es ungleich schwerer, passende Schnitte
anzufertigen, und noch schwieriger an den regelrecht geschnittenen
1 heilen genaue Messungen vorzunehmen. Die Zartheit der Wände
lässt selten eine regelmässige Lagerung derselben zu, und die
bedeutende Menge Blutes, die fast immer in diesen Höhlen gerinnt,
erschwert noch die Hindernisse bedeutend. Es ist mir daher nicht