342
Engel. Darstellung der ersten Entwickelung
spitzer, nach oben etwas breiter (Fig. 22S, 22G) und der erste
gleichsam rohe Ausbau des Herzens ist hiemit vollendet. Die linkerseits
hervorragende Abtheilung V (Fig. 226) ist nun das linke
Herzohr, die Abtheilung K (Fig. 226) die gemeinschaftliche Kammer,
aus der ein schräg über die vordere Fläche des Herzens sich erhebender
unpaarer Canal C entsteht, der unter dem Namen des Aorteneanales
hinlänglich bekannt ist. Keine Lageveränderung des Herzens,
wie man sie bisher angenommen hat, tritt ein, alle Theile entwickeln
sich an der Stelle, an der wir sie später sehen, und ist eine solche
scheinbare Lageveränderung zugegen, so rührt sie nur von einem
ungleichen Aus- und Anwachsen der Theile, nicht aber von einer
so zu sagen eigenmächtigen Ortsveränderung her, die um so weniger
eintreten kann, da benachbarte Theile solchen Verschiebungen ein
bedeutendes Hinderniss entgegensetzen würden.
Bevor ich einen Schritt weiter gehe ist es notlnvendig, noch verschiedene
Ansichten des Herzens zu berücksichtigen, denn bisher
kam nur die obere und die rechte Seitenansicht zur Sprache. In der
linken Seitenansicht hat aber das Herz anfangs die Form der Fig. 223,
wo a den Ductus Cuvieri, V das linke Herzohr, K die gemeinschaftliche
Kammer bedeutet. Von nun an ändern sich nur die Grössen-Verhältnisse
dieser Theile, wie dies aus den Fig. 224, 228 die
der Reihe nach auf einander folgen, ersichtlich ist.
Nimmt man ferner die untere Ansicht des Herzens, so ist auch
diese nach der mehr minder vorgerückten Entwickelung verschieden.
So erscheint das Herz hier anfangs als hufeisenartiger Schlauch, an
dessen linker Seite das durch seine runde Form und rotlie Farbe
ausgezeichnete gemeinschaftliche Herzohr aufsitzt; diese Form macht
einen mehr dreiseitigen Platz, und Basis und Spitze des Herzens
treten nun schon deutlich hervor, bei weiterer Entwickelung des
Herzens verlängert sich dasselbe in seiner linken Hälfte immer mehr
nach unten, während der rechtseitige Theil des Schlauches, die
künftige Arteria pulmonalis mit dem Conus arteriosus in der
Entwickelung zurückbleibt.
Macht man endlich einen Querschnitt durch den Herzschlauch
und zwar in dessen unterm Theile nach der Linie a b (Fig. 217)
und zu einer Zeit, wo der ganze Herzcanal noch eine hufeisenförmige
Krümmung darbietet, so ist dieDurchschnittsligurdieinderNumer230
dargestellte, d. h. eine lange Ellipse mit quergestellter langer Achse.