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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

Über  Farbenveränderungen.

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hung  des  Indigoblaues  einen  anderen  als  den  von  mir  angenommenen
Grund  habe;  für  jetzt  wüsste  ich  keinen  besseren  anzugeben,  es
könnte  mir  aber  nur  erwünscht  sein,  wenn  andere  Chemiker  die  besagte ­
  Erscheinung  genügender  zu  erklären  wüssten,  als  ich  es  zu  tliun
versucht  liahe.
Schliesslich  sei  über  die  Farbenveränderungen,  deren  das  in
Schwefelsäure  gelöste  lndigohlau  fähig  ist,  noch  Folgendes  bemerkt:
Kalilösung  zu  Indigotinctur  getröpfelt,  die  durch  unsere  saure  oder
neutrale  Flüssigkeit  entbläut  worden,  färbt  sieh  gelb  und  hat  man  so
viel  Kalilösung  zu  der  entfärbten  Tinctur  gefügt,  bis  diese  eine  merklich
stark  gelbe  Färbung  angenommen,  so  wird  das  Gemisch  beim  Schütteln
mit  atmosphärischer  Luft  oder  Sauerstoffgas  nach  einander  sehr  verschiedenartige ­
  Farben  zeigen.  Schüttelt  man  nur  einen  Augenblick,
so  färbt  sich  die  Flüssigkeit  hellroth,  welche  Färbung  aber  sofort
wieder  verschwindet,  um  bei  wiederholtem  schwachem  Schütteln
abermals  sich  zu  röthen.  Dieser  Farbenwechsel  findet  unter  den  angegebenen ­
  Umständen  um  so  öfter  Statt,  je  grösser  der  Überschuss
der  sauren  oder  neutralen  Flüssigkeit  ist,  den  man  zur  Entbläuung
der  Indigotinctnr  angewendet  hat.  Verschwindet  die  durch  massiges
Schütteln  mit  Luft  hervorgebrachte  rothe  Färbung  nicht  mehr  und
führt  man  durch  schwaches  Schütteln  weitere  Luft  in  das  Gemisch
ein,  so  röthet  sich  dieses  immer  tiefer,  wird  dunkelviolet  und  eine
Reihe  von  Farbenschattirungen  hindurchgehend,  endlich  grau,  was
sich  durch  Wasserzusatz  in  Blau  überführen  lässt.
Je  rascher  das  Schütteln  mit  Luft,  desto  schneller  erfolgt  der
beschriebene  Farbenwechsel,  so  dass  man  unser  Gemisch  in  wenigen
Augenblicken  gelb,  sehr  verschiedenartig  roth,  violet,  grün  u.  s.  w.
gefärbt  sehen  kann.
Je  nach  dem  Grade  der  Verdünnung  der  Indigotinctur,  der
Menge  und  der  Stärke  der  angewendeten  Kalilösung  und  der  entbläuenden
  sauren  oder  neutralen  Flüssigkeit  fällt  der  Farbenwechsel
so  oder  anders  aus.  Fügt  man  z.  B.  verdünnter  Indigolösung  nur  eben
so  viel  von  der  entbläuenden  Flüssigkeit  zu,  als  zur  Entfärbung  nothwendig,
  so  stellen  einige  Tropfen  Kalilösung  die  blaue  Farbe  der
Indigotinctur  ohne  Schütteln  mit  Luft  wieder  her;  setzt  man  nur  einen
sehr  schwachen  Überschuss  der  entbläuenden  Flüssigkeit  nebst  einigen
Tropfen  Kalilösung  zur  Indigotinctur,  so  färbt  sich  letztere  zwar  erst
beim  Schütteln  mit  Luft,  aber  nich  t  roth  u.  s.  w.,  sondern  auf  einmal  blau.
            
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