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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

Über  Farbenveränderungen.

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Wenn  nun  über  die  nächste  Ursache  der  Entbläuung  der  Indigotinctur
  kein  Zweifel  walten  kann;  wenn  es  gewiss  ist,  dass  das  in
Schwefelsäure  gelbste  Indigoblau  durch  unsere  eigenthümliche  Säure
oder  deren  Salze  keine  Desoxydation  erleidet;  wenn  es  sich  schwer
einsehen  lässt,  zu  welcher  Art  von  chemischer  Verbindung  besagte
Säure  oder  deren  Salze  mit  der  Indigoschwefelsäure  oder  deren  Verbindungen ­
  mit  Basen  (denn  auch  die  indigoschwefelsauren  Salze
werden  durch  unsere  saure  und  neutrale  Flüssigkeit  entfärbt)  sich
vereinigen  sollen,  so  ist  man,  wie  mir  scheint,  beinahe  gezwungen  zu
vermuthen,  dass  die  erwähnte  Entfärbung  eine  Contactswirkung  sei,
hervorgebracht  durch  unsere  eigenthümliche  Säure  und  deren  Salze
auf  das  mit  Schwefelsäure  vergesellschaftete  Indigoblau.
In  früheren  Mittheilungen  habe  ich  wahrscheinlich  zu  machen
gesucht,  dass  freier  oder  gebundener  Sauerstoff,  je  nach  dem  höheren
oder  niederen  Grade  seiner  chemischen  Erregtheit  mehr  oder  weniger
Licht  auslösche  und  damit  das  Gefärbtsein  so  vieler  Sauerstoffverbindungen
  wie  auch  die  Farbenveränderung  in  Zusammenhang  zu
bringen  getrachtet,  welche  diese  Verbindungen  bei  ihrem  Temperaturwechsel ­
  oder  bei  Anwesenheit  gewisser  Substanzen  (z.  B.  der  Anwesenheit ­
  der  schwefeligen  Säure  oder  deren  Salze  in  Eisenoxydsalzlösungen) ­
  zeigen.
Meine  Ansicht  geht  nun  dahin,  dass  es  gewichtige  Materien  gebe,
welche,  wie  die  Wärme,  das  Licht  und  die  Elektricität,  das  Vermögen ­
  besitzen  durch  ihre  blosse  Gegenwart  die  chemische  Thätigkeit
  des  in  gewissen  Verbindungen  enthaltenen  Sauerstoffes  entweder
zu  erhöhen  oder  zu  vermindern  und  ich  bin  ferner  der  Meinung,  dass
sogar  eine  und  eben  dieselbe  Substanz  in  gewissen  Fällen  die  eine
dieser  Wirkungen,  in  anderen  Fällen  aber  die  entgegengesetzte  hervorzubringen ­
  vermöge,  gerade  so  wie  auch  die  Wärme,  das  Licht  und
die  Elektricität  die  chemische  Affinität  der  Stoffe  zu  einander  bald  erhöhen, ­
  bald  vermindern,  chemische  Verbindungen  bilden  oder  aufbeben ­
  können.
Vom  Indigo  weiss  man,  dass  er  unter  gegebenen  Umständen
farblos  wird  ,  nach  den  Einen  dadurch,  dass  er  Sauerstoff  verliert,
nach  anderen,  dass  er  Wasserstoff  aufnimmt.
Aus  Gründen,  welche  hier  anzuführen  nicht  am  Orte  ist,  halte
ich  die  erstere  Ansicht  für  die  richtigere  und  nehme  ich  an,  dass
der  Sauerstoff,  welchen  das  Indigoweiss  bei  seiner  Umwandlung  in
            
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