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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

Über  Farbenveränderungen.

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Um  das  Entbläuungsvermögen  der  sauren  Flüssigkeit  in  auffallendster ­
  Weise  zu  zeigen,  bringe  man  etwa  ein  Gramm  Zinkfeile
nebst  einigen  Grammen  concentrirter  wässeriger  schwefeliger  Säure
in  ein  grösseres  Becherglas,  gebe  der  Flüssigkeit  eine  kreisende  Bewegung ­
  und  giesse  in  dieselbe  sofort  Indigotinctur.  Diese  wird  im
Augenblicke  der  Berührung  mit  der  sauren  Flüssigkeit  entbläut.  Mit
einigen  Grammen  Zinkfeile  und  SO  Grammen  concentrirter  wässeriger
schwefeliger  Säure  entfärbte  ich  auf  diese  Weise  in  wenigen  Minuten
ein  Kilogramm  Indigolösung,  die  so  concentrirt  war,  dass  ein  Theil
derselben  3000  Theile  Wassers  noch  stark  bläute.  Und  doch  war  das
Entbläuungsvermögen  noch  nicht  völlig  erschöpft.
Die  durch  die  saure  Flüssigkeit  entfärbte  Indigotinctur  kann
wieder  gebläut  werden  durch  folgende  Mittel:
1.  Durch  Erwärmung.  Erhitzt  man  dieselbe  bis  zum  Sieden,  so
trübt  sie  sich  in  Folge  einer  Ausscheidung  von  Schwefel  und  damit
tritt  auch  die  Bläuung  der  Indigolösung  wieder  ein,  die  jedoch  in  der
Regel  nicht  mehr  so  tief  ist,  als  es  die  ursprüngliche  war.  Zugefügte
Schwefelsäure,  Phosphorsäure,  Salzsäure  verursacht  jedoch  sofort
eine  Verdunkelung  der  blauen  Farbe.
Es  muss  jedoch  hier  bemerkt  werden,  dass  die  entfärbte  Indigolösung ­
  auch  in  der  Kälte  und  bei  völligem  Ausschluss  der  atmosphärischen ­
  Luft  allmählich  sich  wieder  bläut  und  je  nach  Umständen  entweder ­
  wieder  eben  so  tief,  als  sie  es  ursprünglich  war,  oder  weniger.
Dieser  Unterschied  hängt  gänzlich  von  der  Zeitdauer  ab,  während
welcher  die  schwefelige  Säure  mit  dem  Zink  in  Berührung  gestanden.
Je  länger  letztere  gedauert,  um  so  unvollständiger  die  Wiederherstellung ­
  der  ursprünglichen  Färbung  der  Indigotinctur  sowohl  bei
gewöhnlicher  als  bei  erhöhter  Temperatur.  Lässt  man  die  schwefelige
Säure  nur  wenige  Secunden  lang  auf  die  Zinkfeile  einwirken  und  entfärbt ­
  man  dieser  sauren  Flüssigkeit  gerade  so  viel  Indigolösung,  als
hiervon  entbläut  werden  kann,  so  wird  letztere  schon  wenige  Augenblicke ­
  nach  stattgefundener  Entfärbung  anfangen  sich  wieder  zu
bläuen  und  nach  einer  oder  zwei  Stunden  wieder  so  tief  gefärbt  erscheinen, ­
  als  sie  es  ursprünglich  gewesen,  welche  Wiederbläuung,
wie  schon  bemerkt,  auch  bei  dem  vollständigsten  Ausschluss  der  atmosphärischen ­
  Luft  stattfindet.  Bei  erhöhter  Temperatur  unter  sonst
gleichen  Umständen  erfolgt  die  Wiederherstellung  der  Farbe  unserer
entbläueten  Indigolösung  sehr  rasch.
            
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