Über Farbenveränderungen.
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kalten Lösung durch Indigotinctur stark blau, eine gleich grosse Menge
Wassers bläue man mit besagter Tinctur eben so stark und füge hiezu
einige wässerige schwefelige Säure. Beide Flüssigkeiten behalten ihre
blaue Färbung bei, so lange sie von einander getrennt sind, verlieren
sie aber bei ihrer Vermischung sofort und zwar so, dass eine Wiederherstellung
der Farbe unmöglich ist; denn das Indigoblau wird unter
diesen Umständen durch Oxydation zerstört und das Eisenoxyd in
Oxydul verwandelt.
Diese Thatsacben beweisen, dass die Anwesenheit der schwefeligen
Säure in den Eisenoxydsalzlösungen das oxydirende Vermögen
der letzteren steigert, d. h. die chemische Thätigkeit des dritten
Sauerstoff-Äquivalentes, enthalten im Eisenoxyd, erhöht, wie dies die
Wärme für sich allein thut. Und da in beiden Fällen mit der Steigerung
des oxydirenden Vermögens der Eisensalzlösungen auch die Tiefe
ihrer Färbung zunimmt, so wird im hohen Grade wahrscheinlich, dass
das eine dieser Phänomene die Folge des anderen ist.
Fügt man zu einer verdünnten durch schwefelige Säure stark
braunroth gefärbten Eisenoxydsalzlösung einige Tropfen Schwefelsäure,
Salpetersäure, Phosphorsäure, Salzsäure, so verschwindet die
Farbe der Flüssigkeit wieder, damit aber auch das ausgezeichnete
oxydirende oder indigozerstörende Vermögen der letzteren, denn diese
entfärbt nun die Indigotinctur ungleich langsamer, als dies die Salzlösung
thut, welche durch Schwefelsäure u. s. w. vorher nicht entfärbt
worden.
Hieraus erhellt, dass die Anwesenheit der Schwefelsäure, Salpetersäure,
Salzsäure u. s. w.in den Eisenoxydsalzlösungen auf das dritte
Sauerstoff-Äquivalent des Eisenoxydes einen Einfluss ausübt, entgegengesetzt
demjenigen, den die schwefelige Säure oder eine Temperaturerhöhung
in besagter Salzlösung äussert, d. h. die chemische Thätigkeit
dieses Sauerstoffes ebenso vermindert, wie dies die blosse Abkühlung
thut. Und da dieser Verminderung ebenfalls eine Entfärbung der Salzlösung
zur Seite geht, so dürfte zu schliessen sein, dass die Tiefe
der Färbung der Eisenoxydsalzlösungen abhängig sei von dem Grade
der chemischen Erregtheit des dritten Sauerstoff-Äquivalentes der in
ihnen enthaltenen Salzbasis. Dass das mit einer gehörigen Menge
von Schwefelsäure, Salpetersäure u. s. w. chemisch vergesellschaftete
Eisenoxyd farblos, die basischen Eisenoxydsalze dieser Säuren dunkler
als die säurereicheren Salze erscheinen, erkläre ich mir aus dem vor-