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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

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Fitzinger.  Untersuchungen  über  die  Existenz

Die  Haupt-Schwierigkeit  zur  Lösung  der  streitigen  Frage  über
die  Existenz  einer  oder  mehrerer  Arten  asiatischer  Orang’s  liegt
theils,  wie  schon  Wagner  1 )  sehr  richtig  bemerkt,  darin,  dass  man
die  Heimat  der  Thiere,  von  welchen  die  in  den  europäischen  Sammlungen ­
  befindlichen  Schädel  herrühren,  nicht  immer  mit  Sicherheit
kennt,  und  dass  diese  vielleicht  auch  bisweilen  auf  einer  irrigen  Angabe ­
  heruhen  könne;  theils,  dass  man  nur  sehr  selten  die  zu  diesen
Schädeln  gehörigen  Felle  besitzt,  woraus  man  ersehen  könnte,  ob  der
äussere  Habitus  mit  den  osteologischen  Differenzen  in  einem  Verbände
stehe.
Eine  höchst  wichtige,  bisher  noch  viel  zu  wenig  gewürdigte
Differenz,  sowohl  unter  den  Orang’s  von  Borneo,  als  jenen  von
Sumatra,  besteht  aber  in  dem  Vorhandensein  oder  dem  Mangel  des
Nagels  und  Nagelgliedes  an  den  Daumen  der  Hinterhände.
Vosmaer  theilte  in  seiner  „Description  de  V  Orang-Outang
  de  Visle  de  Borneo“  2 )  die  Beobachtung  mit,  dass  er  bei  drei
jungen  Orang-Weibchen  von  Borneo,  welche  er  zu  untersuchen  Gelegenheit ­
  hatte,  keinen  Nagel  an  den  Hinterdaumen  gefunden  habe
und  hält  diesen  Umstand  für  ein  specifisches  Unterscheidungszeichen
des  asiatischen  vom  afrikanischen  Orang.
Camper  3 )  war  es,  welcher  zuerst  auf  den  Umstand  aufmerksam ­
  machte,  dass  der  Nagel  und  das  Nagelglied  an  den  Daumen  der
Hinterhände  beim  asiatischen  Orang  von  Borneo  häufig  fehlen;  indem
er  unter  8  Individuen  7  fand,  hei  welchen  dies  der  Fall  war  und  nur
ein  einziges  davon  den  Nagel  und  das  Nagelglied  aufzuweisen  hatte.
Der  sehr  kleine  Nagel  und  das  Nagelglied  waren  aber  nur  am
rechten  Hinterdaumen  vorhanden,  denn  dem  linken  Hinterdaumen
fehlte  sowohl  der  Nagel,  als  das  Nagelglied.
Es  war  dies  das  einzige  Männchen  unter  allen  8  von  ihm  untersuchten ­
  Exemplaren  und  so  wie  diese  noch  ein  sehr  junges  Thier,
indem  das  grösste  unter  ihnen  nur  eine  Höhe  von  2%  F uss  hatte.
Wurmb 4 )  fand  bei  dem  grossen  Orang  von  Borneo  oder  seinem
Pongo,  Nägel  an  den  Daumen  der  Hinterhände  und  zwar  sowohl  beim
1 )  Münchner  gelehrte  Anzeigen.  1839.  Nr.  181,  S.  413.
3 )  Amsterdam.  1778.
3 )  Naturgeschichte  des  Orang-Utang  und  einiger  andern  Affenarten.  S.  140,
und  Oeuvres.  Vol.  I,  p.  54.
Verhandelingen  van  het  Bataviaasch  Genootschap.  T,  II,  p.  255  und  IV,  p.  517.
            
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