344
Kawalier.
Über Pinus sylvestris.
Von A. Kawalier.
Die Bäume, welche gefällt wurden, um das Material zur vorliegenden
Untersuchung zu geben, waren 60 bis 80 Jahre alt. Die
Nadeln, die Rinde, Borke und das Holz wurden mechanisch von einander
getrennt und jeder Theil für sich in Arbeit genommen.
A. Die Nadeln.
Die zerschnittenen Nadeln wurden mit 40gradigem Weingeist
ausgekocht, das weingeistige Decoct im Wasserbade der Destillation
unterworfen und der Rückstand mit Wasser vermischt. Man erhält
auf diese Art eine wässerige, etwas trübe Flüssigkeit und eine dunkelgrüne,
klebrige, vogelleimartige Harzmasse. Mit dem Weingeist geht
bei der Destillation der grösste Theil des flüchtigen Öles der Nadeln
über, nur ein kleiner Theil bleibt bei dem Harze zurück, das seinen
Geruch diesem zurückgebliebenen Antheil des ätherischen Öles verdankt.
Ich lasse hier die Resultate folgen, welche sich bei der Untersuchung
des Harzes ergeben haben und komme später auf die wässerige
Flüssigkeit wieder zurück.
Das in Alkohol und Äther lösliche Harz wurde in 40gradigem
Weingeist gelöst, die Lösung mit alkoholischer Bleizuckerlösung
gefällt, der entstandene Niederschlag auf einem Filter gesammelt und
mit Weingeist gewaschen. Er wurde hierauf mit Weingeist zu einem
gleichmässigen, dünnen Brei zerrieben und dieser mit einem Strom von
Schwefelwasserstoffgas behandelt. Die Flüssigkeit wird mit dem
Schwefelblei erhitzt und siedend vom Schwefelblei abfiltrirt. Aus dem
Filtrat scheidet sich beim Erkalten eine gelblichweisse, flockige Substanz
aus. Diese wurde abermals in heissem Weingeist gelöst, die
Lösung mit Thierkohle behandelt und die beim Erkalten sich abscheidende
Masse durch wiederholtes Lösen in heissem Weingeist vollkommen
gereinigt. Dieser Körper ist im reinen Zustande weiss, zeigt sich
unter dem Mikroskope als ein Aggregat von Krystallen, ist leicht zerreiblich,
bei 100° C. vollkommen flüssig und erstarrt beim Erkalten
zu einer Masse, die vom Bienenwachse im Äussern nicht zu unterscheiden
ist.