Die ersten Entwickelungsvorgänge im Thierei und Fretus. 281
Durch die fortwährende Grössenzunahme der Hirn- und Halsblase
ist aber eine eigentümliche Stellung dieser Theile mit Notwendigkeit
entstanden. Man wird sich aus dem Früheren erinnern,
dass die Primitivrinne bestimmt ist, die Keime für die Rumpfsäule,
den Hals und den Kopf aufzunehmen. Diese Primitivrinne, ist aber
keine oben und unten abgeschlossene Rinne, sondern sie läuft eben
meridianartig um die ganze Foetusblase herum. Die Vergrösserung
der Hirn- und Halskeime ist daher nur nach der Richtung dieser
Furche möglich und daher sieht man, wie sich Hals und Kopf des
Foetus immer mehr nach vorne und besonders beim Huhne nach
unten krümmen, so dass sie endlich in die Stellung kommen,
welche ich in der 175. Figur abgehildet habe. Je nach der Entwickelung
der sogenannten Kiemenbogen, mithin nach der längeren
oder kürzeren Rildung des Halses wird diese Krümmung eine
mehr oder minder bedeutende sein, und es gibt sich daher schon
frühzeitig ein Unterschied in dieser Krümmung nach den verschiedenen
Thierclassen kund. Rei Vögeln ist wohl diese Krümmung am
stärksten und der Scheitel des Embryo erreicht, wie es auch in der
17S. Figur dargestellt ist, die Mitte der Rauchfläche des Embryo.—
Alle diese am Foetus erscheinenden Reugungen haben daher mit
eigentlichen Ortsveränderungen nichts gemein, sondern sind die natürliche
Folge des allmälichen Anwachsens der Keime in einem verhältnissmässig
beschränkten Raume.
Während diese Veränderungen am oberen Ende der Primitivrinne
vor sich gegangen sind, ist der mittlere und untere Theil derselben
der Schauplatz nur geringer Umstaltungen geworden. Die Anzahl der
Wirbelplättchen hat sich vermehrt, und sie erstrecken sich bis in das
Schwanz-Ende des Foetus; letzteres wächst im unteren Theile der
Primitivrinne gegen die Rauchseite des Foetus vor (Fig. 114—120)
und endet an dem vorderen Theile des Foetus ganz nahe dem Nabelstrange
mit einem zapfen- oder kolbenförmigen Ende. Der Theil der
Bauchrinne, der zwischen dem Kopf- und Schwanztheile des Foetus
übrig bleibt, wird zu anderen Rildungen verwendet, von denen weiter
unten die Rede sein wird.
Ich glaube nun, die bisherige Darstellung unterbrechen zu
müssen, um zu den Reweisen übergehen zu können, dass die Bildung
oller der genannten Theile keine andere sei, als eine solche, die
durch Spaltbildung aus dem ursprünglich homogenen Blasteme her-