260
Engel.
Die angeführte Methode bewährt sich sonach für jeden Keim,
mag er für einen Knochen, Muskel, ’oder fürs Nervenmark bestimmt
sein; es wird sich ferner im Verlaufe zeigen, dass gerade nur diese
und keine andere Entwickelungsart ausreicht, um uns über manche
Thatsaclien der organischen Bildung aufzuklären, welche bis auf den
heutigen Tag ein unauflösliches Räthsel zu sein schienen; doch hiervon
genug, die Methode soll selbst für sich sprechen.
Die aus runden oder rundlichen Keimen hervorgehenden Theile
nehmen bald andere Formen an. Sie werden oblong, wenn der
Wachsthumscoefficient für die eine Dimension grösser wird, wie für
die andere, sie werden viereckig wie die (ursprünglich gleichfalls
rundlichen) Wirbelplättchen, und zwar nicht dadurch, dass sie sich
an den Berührungsstellen nach der gewöhnlichen Ansicht abplatten,
sondern dadurch, dass die zwischen den rundlichen Keimen befindlichen
Räume sich nach und nach ausfüllen, sie nehmen überhaupt
alle Formen an, an denen die organischen Theile so reich sind, ihre
Geschmeidigkeit erlaubt die verwinkeltsten Gestalten und Gliederungen.
Ich habe im Vorhergehenden die Entwickelung des Keimes der
Rumpfsäule vorausgeschickt, weil gerade dieser Keim es ist, der zuerst
deutlich beobachtet werden kann. Daraus folgt aber nicht im Geringsten,
dass andere Keime nicht schon vorhanden, theilweise sogar
nicht schon weiter ausgebildet wären; ihre vollkommene Durchsichtigkeit
entzieht sie aber der Beobachtung und erheischt Mittel,
welche diese Durchsichtigkeit ihnen benehmen. Wir werden uns nun
zunächst mit diesen beschäftigen.
Es hatte der ganze Centralkeim, wie man sich noch erinnern
wird, die in den Fig. 98 und 99 im Querschnitte dargestellten Formen.
Innerhalb der Amnioshaut, die gegen die Bauchseite des Foetus eine
canalartige Einstülpung bildete, ist sonach der Centralkeim aus drei
Hauptblastemgruppen zusammengesetzt, welche abermals als Keime
sich entwickeln; davon habe ich den einen (.A, Fig. 98) den Keim
der Rumpfsäule geheissen; er liegt in der Ebene der langen Axe
des künftigen Foetus; die beiden andern (Cund D, Fig. 91, 99) werde
ich nun die Leibeskeime, oder schlechtweg die Leibesblasen des
Foetus nennen. Während sich nun der erste zum Rückenmarke und
den dazu gehörigen Häuten, Knochen und Muskeln entwickelt, beginnen
letztere ihre Umwandlung und werden zum Brustkörbe, zum
Unterleibe des Foetus, und den darin enthaltenen, so wie den sie ein-