20
Kenngott.
Dass das Crucilit genannte Mineral von Dublin eine Pseudomorphose
sei, ist nicht zu bezweifeln, da sein Aussehen dafür spricht.
Es erscheint in einzelnen Krystallen, welche ein rhombisches Prisma
mit gerader Basis darstellten und dessen Kantenwinkel nahezu 120°
misst. Häufig sind die Krystalle als Zwillinge oder Drillinge ähnlich
denen des Staurolithes verwachsen, worauf auch der Name hinweist,
in dem sie einander unter Winkeln von 60° durchkreuzen und den
hrachydiagonalen Hauptschnitt gemeinsam zeigen. Oft ist ihre Substanz
ganz verschwunden und man sieht nur die verlassenen Räume,
die in dem Sandstein scharf ausgeprägt eine ohngefähre Bestimmung
der Gestalt durch Abdruck mit Schellak ermöglichten. Wo Masse
sichtbar ist, erscheint dieselbe rothbraun bis bräunlichschwarz,
wachsartig glänzend, undurchsichtig mit muschligem bis splittrigem
Bruche und ist weich und leicht zerbrechlich. Um irgend einen Schluss
auf das ursprüngliche Mineral machen zu können, hatte der k. k.
Hauptmann Herr Ritter C. v. Hauer die Güte, eine kleine Probe qualitativ
zu bestimmen und fand als wesentliche Bestandtheile Thonerde,
Eisenoxyd und Wasser mit Spuren von Kalk- und Talkerde. Ob man
hiernaeh annehmen könne, dass das ursprüngliche Mineral Staurolith
gewesen sei, welcher durch Verwitterung in eine eisenreiche Verbindung
der Thonerde mit Wasser oder in ein Gemenge von Wasseraluminat
mit Eisenoxyd übergegangen sei, ist schwer zu entscheiden,
jedoch nicht unwahrscheinlich.
7. Über die Krystallisation des Tellursilbers.
Ein Exemplar des Tellursilbers, welches dem Aussehen nach
im Vergleich mit anderen Exemplaren in den Sammlungen des k. k. Hof-Mineralien-Cabinetes
zu urtheilen von Nagyag in Siebenbürgen
stammt, zeigte in einem mit Quarzkrystallen besetzten Drusenraume
undeutliche auf dem Quarz aufgewachsene Krystalle. Dieselben waren
wie geflossen oder gestreckt und stellenweise so abgerundet, dass sie
kaum die krystallinische Bildung erkennen Hessen. Einer derselben
war jedoch soweit deutlich ausgebildet, dass er eine Orientirung der
Flächen ermöglichte und sich als in das orthorhombische (orthotype
nach Mohs) Krystallisationssystem gehörig erkennen liess. Er bildet
der angestellten Untersuchung gemäss eine sehr complieirte Krystallcombination,
deren Winkel natürlicherweise nicht bestimmt werden
konnten, nämlich: ein vertieales rhombisches Prisma, dessen beiderlei
Kanten abgestumpft sind, in Verbindung mit den Flächen eines zweiten