Die ei-sten Entwickelungsvorgänge im Thierei und Fcetus. 247
Schicht überbrückt werden. Die Primitivrinne ist hier nicht zu sehen;
der minder durchsichtige Keim der Rumpfsäule schimmert aber
durch die durchsichtigen Leibeskeime als ein schmaler halbmondartiger
Streif durch. Mit der Entwickelung der Keime der Rumpfsäule
erscheint das vordere Ende (Kopf-Ende dieses halbmondförmigen
Streifens) kolbig angeschwollen und aus den Leibesblasen des
Fcetus etwas hervorgetreten (Fig. 97), was man als ein Zeichen der
Abschnürung des Fcetus über die Ebene der Keimhlase bisher angesehen
hat.
Ich habe diese ganze Entwickelung nicht durch eingestreute
Messungen unterbrechen wollen und trage nun das Versäumte nach.
Ich habe an einer nicht unbedeutenden Zahl von Hühner-Embryonen
Messungen sowohl an den einzelnen Wirbelplättchen, als an
dem Keime der Wirbelkörper und endlich an dem ganzen Rumpfsäulenkeime
angestellt. Diese sind in der Absicht unternommen worden,
zu zeigen, dass deren Entwickelung überhaupt aus dem von mir
mit dem Namen „Keim“ belegten Gebilden hervorgegangen ist, dass
mithin diese doch schon sehr zusammengesetzten Theile des thierisclien
Organismus keine andere Ur- oder Anfangsform haben als jene
des Blastems, des Keimes und der Zelle.
Meine Messungen beginnen an dem Keime der Rumpfsäule. Verhält
er sich wirklich wie ein aus der Spaltung und nachherigen Verschmelzung
homologer Theile eines Blastems hervorgegangener Keim,
so muss auf ihm und alle in ihm enthaltenen Gebilde die Formel
S=m M-\-1 anwendbar sein, wobei m den höchsten Werth, die Zahl 4,
ferner aber auch die ganzen Zahlen 3 oder 2 bedeuten kann, oder
selbst eine zwischen diesen Zahlen liegende gemischte Zahl von
bestimmten Werthen vorstellt. Ich habe daher an Hühner-Embryonen
folgende Bestimmungen vorgenommen und auf diese die Berechnungen
basirt:
1. Ich muss die grösste Entfernung zweier Wirbelplättchen von
einander (Fig. 109 a, b), 2. ihre kleinste Entfernung (c,d) und 3. in
einigen Fällen auch die Breite des Rückenmarkes. Die Linie a b
wurde als die grösste Breite des Rumpfsäulenkeimes angenommen,
um die Einheit vermindert, dann in 2, 3 oder 4 Theile zerlegt. Die
so berechneten Grössen waren nun den gefundenenen vollkommen
gleich, oder um die Hälfte, um %, i/ 4 , 2 / 3 , 3 / 4 des nächstanliegenden
Thciles zu vergrössern, um dem Resultate der Messung gleichzu-