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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

Die  ersten  Entwickelungsvorgänge  im  Thierei  und  Eoctus.  239

rinne,  Bauclimulde,  vordere  oder  untere  Mulde;  die  Räume  Cund  D
werden  einfach  die  Seitenräume  (rechter  oder  linker  in  Bezug  auf  den
Foetus  genommen)  oder  nach  Umständen  die  Körperhälften,  seitliche
Brust-  oder  Bauchräume  genannt  werden.  Diese  Räume  können  sich
im  Verlaufe  der  Bildung  vermehren,  einige  können  wieder  mit  einander ­
  verschmelzen,  denn  ich  wiederhole  es,  man  hat  hier  noch
nicht  mit  fertigen  festen  Begrenzungsmenbramen,  sondern  bloss
mit  einer  mehr  durch  optische  Htilfsmittel  erkennbaren  über  nach
bestimmten  Gesetzen  erfolgenden  Sonderung  des  noch  homogenen
Plasma’s  zu  thun.
Die  Form  des  Centralkeimes  ist  nun  nicht  mehr  die  kugelige,
sondern  sie  sieht  im  Längen-  sowohl  wie  im  Querschnitte  plattrundlich ­
  aus  (Fig.  91,  96),  nur  ist  sie  in  ersterer  Dimension  grösser  als
im  Querschnitte.
Zunächst  beginnt  nun  die  Bildung  einer  neuen  Blastem-Schicht
in  der  Rückenmulde  oder  Primitivrinne  und  zwar  erscheint  diese
Schicht  fast  von  der  Form  dieses  Raumes,  mithin  im  Querschnitte  von
einer  gedehnten  elliptischen  Gestalt  (Fig.  98,  ^4).  Dieses  Blastem
geht  bald  über  die  ihm  anfangs  angewiesenen  Grenzen  hinaus,  durch
seine  bedeutende  Anhäufung  dehnt  es  den  Centralkeim  in  der  Richtung ­
  von  unten  nach  oben  etwas  aus,  was  Veranlassung  zu  der  in  der
99.  Figur  dargestellten  Form  eines  Foetus-Querschnittes  gibt.  Da
die  Bauclimulde  (Fig.  91,  ß)  wegen  der  Durchsichtigkeit  ihres  Inhaltes
fast  immer  übersehen  wird,  so  hat  es  den  Anschein,  als  neige  sich  der
Embryonalkeim  mit  seinen  Seitentheilen  nach  unten  und  vorne,  und
dies  gab  zu  einer  eigenthümliehen  Meinung  über  die  Bildung  der
Körperhöhlen  Veranlassung,  welche  von  allen  Schriftstellern  über
Entwickelung  getheilt  wird.  Dieser  Meinung  zufolge  liegt  der  Fcetus
anfangs  platt  auf  der  Keimblase  mit  seiner  Bauchfläche  und  schnürt
sich  allmählich,  indem  er  sich  über  die  Ebene  der  Keimblase  erhebt
und  seine  Seitenflächen  gegen  die  Bauchseite  sich  zusammenneigen,
von  der  Dotterblase  theilweise  ab.  Dies  hat  wieder  zur  Bildung  einer
Theorie  über  die  Entwickelung  des  sogenannten  Nabelbläschens  Veranlassung ­
  gegeben  welche  ich  hier  als  bekannt  voraussetzen  darf.  Es
vird  aber  aus  den  späteren  Untersuchungen  hervorgehen,  dass  diese
ganze  Auffassungsweise  über  das  Abschnüren  des  Foetus  und  die
Bildung  des  Nabel-  oder  Dotterbläschens  eine  irrige  ist  und  auf  einer
unrichtig  gemachten  Beobachtung  beruhe.

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