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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

Die  ersten  Entvvickelungsvorgänge  im  Tinerei  und  Fcetus.  233
Messen  dürften  sich  vollends  nur  die  wenigsten  Fälle  eignen  und  ich
kann  leider  nur  für  den  oben  angeführten  Einzelfall  bürgen.
Betrachtet  man  in  dieser  Entwickelungsperiode  den  unversehrten ­
  und  frischen  oder  auch  gehärteten  Dotter,  so  wird  man  an  der
Stelle  wo  die  Keimschicht  sich  angesammelt  hat,  eine  flachrundliche
Erhöhung  gewahr  werden;  dieser  ist  der  sogenannte  Keimhügel,  die
horizontale  Ansicht  der  ganzen  Keimschicht  o  o,  Fig.  72,  74,  78;  hat
sich  die  Embryonalblase  gebildet,  so  erscheint  in  der  Mitte  des  Keimhügels ­
  ein  durchsichtiger  runder  Fleck,  die  horizontale  Ansicht  des
Keimes  ab,  Fig.  78  —  die  durchsichtige  Embryonalblase  von  der
minder  durchsichtigen  Keimschicht  umgeben.  Dieser  durchsichtige
Kreis  (die  horizontale  Projection  der  Embryonalblase)  ist  unter  dem
Namen  Area  pellucida  hinlänglich  bekannt;  der  umgebende  Theil
der  Keimschicht  wird,  soweit  er  die  Embryonalblase  bedeckt,  mithin
in  der  Strecke  rnn,  Fig.  78,  als  dunkler  Fruchthof  und  die  übrige
Keimschicht,  nämlich  das  Stück  m  o  beiderseits  (Fig.  78)  als  sogenannter ­
  Gefässhof,  durch  die  Dotterhaut  hindurchschimmern.
Hier  wird  es  gleich  am  Platze  sein,  über  die  Bildung  einer  Haut
zu  sprechen,  die  trotz  der  übereinstimmenden  Angaben  der  Schriftsteller ­
 1 )  eine  ganz  andere  als  die  gewöhnlich  beschriebene  Entwikkelungsgeschichte
  hat.  Ich  meine  die  Amnioshaut.  Man  lässt  diese
Haut,  wie  bekannt,  durch  ein  allmähliches  Einsinken  des  Fcetus  gegen
die  Höhle  der  Keimblase,  durch  Einstülpung  des  serösen  Blattes  mit
allmählichem  Überwachsen  über  die  Rückseite  des  Fcetus  entstehen.
Ich  gestehe,  dass  mir  diese  Ansicht  von  jeher  zu  mechanisch  dünkte,
und  dass  überhaupt  all  die  Angaben  über  das  Einstülpen,  Ausstülpen,
die  in  der  Entwickelungsgeschichte  so  häufig  gebraucht  werden,  der
eigentlichen  empirischen  Grundlage  entbehren,  und  wenn  sie  figürlich
gebraucht  werden,  leicht  zu  falschen  Vorstellungen  Veranlassung
geben.  Ich  habe  vielmehr  die  Überzeugung  gewonnen,  dass  die
Schafhaut  wie  alle  übrigen  serösen  Häute  sich  schon  bei  der  ersten
Anlage  des  Fcetus  und  Foetaltheiles  vorfinden  und  gleich  ursprünglich  um
die  ihnen  angewiesenen  Theile  entwickeln  ohne  erst  eines  Einstülpens
und  Uberwachsens  zu  bedürfen.  Die  Art  der  Entstehung  der  Amnioshaut
ist  diese:  Man  denke  sich  einen  Mutterkeim  mit  den  beiden  Tochter-*)

  Bischoff’s  neue  Arbeit  über  die  Amnioshaut  bei  Meerschweinchen  war
mir  erst  zugekommen,  als  mein  Manuscript  schon  zum  Drucke  bereit  lag.
            
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