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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

Die  ersten  Entwickelungsvorgiinge  im  Thierei  und  Fretus.  229

die  frisch  gebildeten  Wände  der  verschiedenen  blasenartigen  Gebilde
so  hyalin,  dass  sie  oft  des  Zusatzes  von  Weingeist  bedürfen,  um  überhaupt ­
  gesehen  zu  werden,  und  an  eine  isolirte  Darstellung  derselben
ist  wohl  erst  dann  zu  denken,  wenn  sich  die  Knorpelblasen  bereits
nahe  der  Ossiticationsgrenze  befinden;  dagegen  könnte  die  Theorie
aus  dem  Grunde  verworfen  werden,  weil  der  Vorgang  der  Blasenbildung ­
  wie  ich  ihn  beschrieben  ein  complicirter,  gleichsam  ein
Umweg  sei,  indem  die  Natur  durch  Verdickung  der  Wände  einer
Zelle  und  Vergrösserung  der  Höhle  derselben  leichter  Blasen  bilden
könnte.  Aber  über  das  Warum  solcher  Processe  kann  keine  Frage
entstehen:  uns  obliegt  nur  das  Wie  solcher  Erscheinungen  zu  ermitteln, ­
  und  ich  glaube  nicht  zu  irren,  wenn  ich,  was  letzteres  betrifft,
auf  die  Knorpeln  hinweise.
Die  Stelle,  an  der  die  erste  Anlage  des  Fcetus  erscheint,  wird
bekanntlich  als  Cumulus  proligerus  beschrieben,  an  dieser  Stelle
treten  in  rascher  Aufeinanderfolge  der  dunkle,  dann  der  belle  Fruchthof ­
  und  der  Gefässhof  auf,  und  zu  dem  sogenannten  animalen  und
vegetativen  Blatte  der  Keimhaut  tritt  noch  das  Gefässblatt  hinzu.  So
lautet  die  gewöhnliche  Beschreibung  dieser  Vorgänge  welche  durch
keine  inneren  Gründe  zusammengehalten  zu  sein  scheinen  und  fast
jeder  Berechtigung  entbehren.  Der  durchsichtige  Fruchthof  ist
anfangs  rund,  später  oblong,  endlich  biseuitförmig,  in  ihm  erscheint,
die  Nota  pvimitiva,  dann  die  Rückenkämme,  die  Bauchplatten,  die
Hirnblasen,  die  Wirbelblättchen,  dieses  Alles,  so  wie  die  Ansichten
über  das  Erheben  des  Fcetus  über  die  Ebene  der  Keimblase,  das  Abschnüren ­
  des  Fcetus  von  der  Dotterblase  sind  allgemein  angenommene
Thatsachen,  bei  denen  nicht  nach  Ursache  und  Zweck,  nach  dem
inneren  Zusammenhänge  gefragt  wird,  die  man  eben  nur  als  Thatsachen ­
  hinnimmt,  für  die  es  keine  Erklärung  zu  geben  scheint.  Und
gerade  hier  ist  es,  wo  ich  das  Gebiet  der  Hypothesen  verlassen  zu
dürfen  glaube,  und  theils  auf  Beobachtungen,  theils  Messungen,  theils
Analogien  mich  stützend,  Grund  und  Zweck  dieser  anscheinend  unzusammenhängenden
  Thatsachen  angeben  zu  können,  hoffen  darf.
Wenn  man  den  Keimhügel  an  dem  zu  diesem  Behufe  festgehärteten ­
  Dotter  im  senkrechten  Durchschnitte  untersucht,  so  sieht
man  zwischen  den  beiden  an  einander  weichenden  Blättern  der  inneren
heimblase,  der  äusseren  und  inneren  Dotterhaut  (dem  serösen  und
mucösen  Blatte)  nur  eine  Schicht  formlosen  Plasmas  (Fig.  72),  das
            
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