Die ersten Entwickelungsvorgiinge im Thierei und Fretus. 229
die frisch gebildeten Wände der verschiedenen blasenartigen Gebilde
so hyalin, dass sie oft des Zusatzes von Weingeist bedürfen, um überhaupt
gesehen zu werden, und an eine isolirte Darstellung derselben
ist wohl erst dann zu denken, wenn sich die Knorpelblasen bereits
nahe der Ossiticationsgrenze befinden; dagegen könnte die Theorie
aus dem Grunde verworfen werden, weil der Vorgang der Blasenbildung
wie ich ihn beschrieben ein complicirter, gleichsam ein
Umweg sei, indem die Natur durch Verdickung der Wände einer
Zelle und Vergrösserung der Höhle derselben leichter Blasen bilden
könnte. Aber über das Warum solcher Processe kann keine Frage
entstehen: uns obliegt nur das Wie solcher Erscheinungen zu ermitteln,
und ich glaube nicht zu irren, wenn ich, was letzteres betrifft,
auf die Knorpeln hinweise.
Die Stelle, an der die erste Anlage des Fcetus erscheint, wird
bekanntlich als Cumulus proligerus beschrieben, an dieser Stelle
treten in rascher Aufeinanderfolge der dunkle, dann der belle Fruchthof
und der Gefässhof auf, und zu dem sogenannten animalen und
vegetativen Blatte der Keimhaut tritt noch das Gefässblatt hinzu. So
lautet die gewöhnliche Beschreibung dieser Vorgänge welche durch
keine inneren Gründe zusammengehalten zu sein scheinen und fast
jeder Berechtigung entbehren. Der durchsichtige Fruchthof ist
anfangs rund, später oblong, endlich biseuitförmig, in ihm erscheint,
die Nota pvimitiva, dann die Rückenkämme, die Bauchplatten, die
Hirnblasen, die Wirbelblättchen, dieses Alles, so wie die Ansichten
über das Erheben des Fcetus über die Ebene der Keimblase, das Abschnüren
des Fcetus von der Dotterblase sind allgemein angenommene
Thatsachen, bei denen nicht nach Ursache und Zweck, nach dem
inneren Zusammenhänge gefragt wird, die man eben nur als Thatsachen
hinnimmt, für die es keine Erklärung zu geben scheint. Und
gerade hier ist es, wo ich das Gebiet der Hypothesen verlassen zu
dürfen glaube, und theils auf Beobachtungen, theils Messungen, theils
Analogien mich stützend, Grund und Zweck dieser anscheinend unzusammenhängenden
Thatsachen angeben zu können, hoffen darf.
Wenn man den Keimhügel an dem zu diesem Behufe festgehärteten
Dotter im senkrechten Durchschnitte untersucht, so sieht
man zwischen den beiden an einander weichenden Blättern der inneren
heimblase, der äusseren und inneren Dotterhaut (dem serösen und
mucösen Blatte) nur eine Schicht formlosen Plasmas (Fig. 72), das