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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

Brücke.  Über  die  Wirkung  complementär  gefärbter  Gläser.  213

Die  geringen  Veränderungen,  welche  das  mit  dem  Höhlenbären  und
dem  Mammuthe  unserer  Gegenden  begrabene  Holz  in  Bezug  auf  seine
Structur  bis  jetzt  erfuhr,  lassen  vermuthen,  dass  eine  Reihe  von
Jahrtausenden  nur  einen  aliquoten  Theil  jener  Zeit  betrage,  die  zur
Vollendung  der  Kieselversteinerungen  von  Gleichenberg  nothwendig
  war.

Über  die  Wirkung  complementär  gefärbter  Gläser  beim
binoculären  Sehen.
Von  dem  w.  M.,  Prof.  Brücke.
Es  ist  lange  darüber  gestritten  worden,  ob  zwei  verschiedene
Farben,  welche  gleichzeitig  die  eine  dem  einen,  die  andere  dem
anderen  Auge  dargehoten  werden,  sich  in  derselben  Weise  zu  einer
resultirenden  combiniren  können,  wie  dies  geschieht,  wenn  die
Eindrücke  beider  auf  ein  und  derselben  Netzhaut  über  einander
fallen.
Die  Frage  hat  ihr  eigenthiimliches  physiologisches  Interesse.
Vereinigen  sich  die  beiden  Farben  durchaus  nicht,  so  beweist  dies,
dass  die  ihnen  entsprechenden  Erregungszustände  sich  nur  in  der
Netzhaut  mit  einander  verbinden  können,  und  dann  die  Resultante
derselben  zum  Gehirn  fortgepflanzt  wird.  Ist  es  dagegen  möglich,
zwei  Farben  zur  Vereinigung  zu  bringen,  von  denen  die  eine  mit
dem  rechten  die  andere  mit  dem  linken  Auge  gesehen  wird,  so
beweist  dies,  dass  die  ihnen  entsprechenden  Erregungszustände
einzeln  dem  Gehirne  zugeführt  sich  in  demselben  noch  zu  einer  Resultante ­
  verbinden  lassen.
Schon  im  Jahre  1806  gab  de  Haldat  im  Journal  de  Physique
  an,  dass  eine  solche  Vereinigung  wirklich  stattfinde.  Er  war
zu  diesem  Resultate  gekommen  indem  er  vor  beiden  Augen  verschiedenfarbige ­
  Gläser  hielt.  Dieser  Versuch  ist  von  sehr  vielen  und
guten  Beobachtern  angestellt  worden;  aber  nur  einzelne  Stimmen
erhoben  sich  für  die  Angabe  von  de  Haldat,  alle  Übrigen  vereiemigten
  sich  dahin,  dass  man  bald  die  eine  bald  die  andere  Farbe,
bald  das  Sehfeld  in  der  Mitte  getheilt  und  auf  beiden  Seiten  verschieden ­
  gefärbt  sehe,  kurz  eine  Vereinigung  der  Farben  nicht  zu
Stande  komme.
            
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