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Ungcr. Die fossile Flora von Gleichenberg.
4. Alle Pflanzenreste, wo immer wir sie hier finden, tragen
Spuren einer durch Wasser bewirkten Herbeischaffung an sich. Mit
den in den Sandsteinen und Mergeln vorhandenen Blättern findet
sich stets ein Detritus derselben, ebenso mit den in den Conglomeraten
vorkommenden Stämmen, Ästen und Früchten-Geschiebe dieser
Theile. Die häufig vortreffliche Erhaltung seihst zarterer Tlieile
macht es unbezweifelt, dass die Herbeischaffung dieser Pflanzenreste
aus nicht grosser Entfernung stattfinden musste.
5. Selbst die in einer und derselben Localität, ja in einer und
derselben Schichte vorkommenden Reste von Vegetabilien, die wir
nothwendig als zugleich existirend annehmen müssen, tragen, ungeachtet
sie durchaus von bäum- und strauchartigen Gewächsen abstammen,
eine grosse Mannigfaltigkeit an sich. Vorherrschend zeigen
sich jedoch Nadelhölzer und kätzchentragende Bäume, wie Eichen,
Buchen, Erlen, Pappeln u. s. w. Alle Arten derselben sind von den
jetzt lebenden verschieden, obgleich einige derselben ihnen sehr
nahe kommen. Unter den Holzgeschichen des Mühlsteinbruches des
Gleichenberger Kogels herrschen Nadelhölzer vor, und zwar nebst
einem Cypressenholze eine Pinus-Art, welche einer heutigen Tages
in der Krim wachsenden Art sehr ähnlich ist.
6. Die in Holzstein verwandelten Pflanzentheile, als Stämme,
Äste, Zapfen, Nüsse, Kerne von Steinfrüchten u. s. w., lassen bei der
Art ihrer Erhaltung den ganzen Vorgang erkennen, durch welchen
sie hieher geschafft, in die anfänglich lose Sandmasse eingebettet, in
festen Kieselstein verwandelt wurden, und welche Veränderungen
sie endlich nebst der Gesteinsmasse durch später erfolgte gewaltsame
Einwirkungen erfuhren.
7. Seit der Einschliessung der Holzmasse in jenen Sandstein
hat das ganze Gebirge wenigstens eine zweimalige heftige erdbebenartige
Erschütterung getroffen; die erste zu der Zeit, als die Holzfaser
noch ziemlich biegsam war, die zweite ungleich heftigere,
nachdem die Verwandlung derselben in festen Holzstein bereits
beendet war.
8. Eine Vergleichung der Veränderungen, welche Holz, Jahrhunderte,
ja Jahrtausende lang der Luft und dem Wasser ausgesetzt,
erfährt, mit jenen, welche das oberwähnte verkieselte Holz zeigt,
lassen mit Sicherheit den Schluss zu, dass zur Schätzung der Dauer
des Verkieselungsprocesses unser Zeitmass ein viel zu kleines sei.