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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 11. Band, (Jahrgang 1853)

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Ungcr.  Die  fossile  Flora  von  Gleichenberg.

4.  Alle  Pflanzenreste,  wo  immer  wir  sie  hier  finden,  tragen
Spuren  einer  durch  Wasser  bewirkten  Herbeischaffung  an  sich.  Mit
den  in  den  Sandsteinen  und  Mergeln  vorhandenen  Blättern  findet
sich  stets  ein  Detritus  derselben,  ebenso  mit  den  in  den  Conglomeraten
  vorkommenden  Stämmen,  Ästen  und  Früchten-Geschiebe  dieser
Theile.  Die  häufig  vortreffliche  Erhaltung  seihst  zarterer  Tlieile
macht  es  unbezweifelt,  dass  die  Herbeischaffung  dieser  Pflanzenreste
aus  nicht  grosser  Entfernung  stattfinden  musste.
5.  Selbst  die  in  einer  und  derselben  Localität,  ja  in  einer  und
derselben  Schichte  vorkommenden  Reste  von  Vegetabilien,  die  wir
nothwendig  als  zugleich  existirend  annehmen  müssen,  tragen,  ungeachtet ­
  sie  durchaus  von  bäum-  und  strauchartigen  Gewächsen  abstammen, ­
  eine  grosse  Mannigfaltigkeit  an  sich.  Vorherrschend  zeigen
sich  jedoch  Nadelhölzer  und  kätzchentragende  Bäume,  wie  Eichen,
Buchen,  Erlen,  Pappeln  u.  s.  w.  Alle  Arten  derselben  sind  von  den
jetzt  lebenden  verschieden,  obgleich  einige  derselben  ihnen  sehr
nahe  kommen.  Unter  den  Holzgeschichen  des  Mühlsteinbruches  des
Gleichenberger  Kogels  herrschen  Nadelhölzer  vor,  und  zwar  nebst
einem  Cypressenholze  eine  Pinus-Art,  welche  einer  heutigen  Tages
in  der  Krim  wachsenden  Art  sehr  ähnlich  ist.
6.  Die  in  Holzstein  verwandelten  Pflanzentheile,  als  Stämme,
Äste,  Zapfen,  Nüsse,  Kerne  von  Steinfrüchten  u.  s.  w.,  lassen  bei  der
Art  ihrer  Erhaltung  den  ganzen  Vorgang  erkennen,  durch  welchen
sie  hieher  geschafft,  in  die  anfänglich  lose  Sandmasse  eingebettet,  in
festen  Kieselstein  verwandelt  wurden,  und  welche  Veränderungen
sie  endlich  nebst  der  Gesteinsmasse  durch  später  erfolgte  gewaltsame ­
  Einwirkungen  erfuhren.
7.  Seit  der  Einschliessung  der  Holzmasse  in  jenen  Sandstein
hat  das  ganze  Gebirge  wenigstens  eine  zweimalige  heftige  erdbebenartige ­
  Erschütterung  getroffen;  die  erste  zu  der  Zeit,  als  die  Holzfaser ­
  noch  ziemlich  biegsam  war,  die  zweite  ungleich  heftigere,
nachdem  die  Verwandlung  derselben  in  festen  Holzstein  bereits
beendet  war.
8.  Eine  Vergleichung  der  Veränderungen,  welche  Holz,  Jahrhunderte, ­
  ja  Jahrtausende  lang  der  Luft  und  dem  Wasser  ausgesetzt,
erfährt,  mit  jenen,  welche  das  oberwähnte  verkieselte  Holz  zeigt,
lassen  mit  Sicherheit  den  Schluss  zu,  dass  zur  Schätzung  der  Dauer
des  Verkieselungsprocesses  unser  Zeitmass  ein  viel  zu  kleines  sei.
            
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