112
Tiirck. Über secumliire Erkrankung einzelner
Unterhalb der Stelle der stärksten Compression nahm die Erkrankung
der Hinterstränge successive ab, um beim Fortbestehen
jener der Vorderstränge, meist noch innerhalb der Exsudates der
dura mater völlig zu verschwinden.
In allen jenen Fällen, welche im Obigen als solche einer
secundären Erkrankung der Hinter- und Seitenstränge in ihrem ganzen
Umfange angeführt wurden, reichte die Erkrankung derselben
noch um eine oder mehrere Insertionsstellen über das comprimirende
Exsudat oder Afterproduct hinaus nach aufwärts, ebenso
reichte die Erkrankung der ganzen Seiten- und Vorderstränge in
den 6 später angeführten Fällen tiefer nach abwärts als das Exsudat;
es lässt sich also die totale Erkrankung der bezeichneten Stränge
nicht etwa als unmittelbare Folge des bald mehr die vordere, bald
mehr die hintere Fläche des Rückenmarkes treffenden Druckes
ansehen, da unter den verschiedensten Verhältnissen des stattgehabten
Druckes immer in gleicher Weise dieselben Stränge oberhalb und
wieder andere unterhalb der stärksten Compression betheiligt waren.
Es folgt dagegen nothwcndiger Weise aus dem bisher Gesagten, dass
gewisse Stränge (die Hinterstränge) nur in centripetaler, andere
(die Vorderstränge) nur in centrifugaler, und wieder andere (die
Seitenstränge) in beiden Richtungen secundär erkranken können.
Die Vorstellung, dass einzelne Rückenmarkstränge bei gewissen
alten Gehirnherden oder andauernder Compression einer Stelle des
Rückenmarkes keinen Impuls mehr in centrifugaler oder centripetaler
Richtung empfangen, und in Folge der lange unterbrochenen Leitung
degeneriren, dass diese secundäre Erkrankung daher (im Sinne der
Nervenströmung in den betreffenden Strängen gesprochen) stets vor
dem Gehirn- oder Rückenmarksherde stattfinden müsse, oder was
dasselbe ist, dass die Rückenmarkstränge in derselben Richtung
leiten, in der sie secundär erkranken, scheint ganz evident, und die
einzig mögliche zur Erklärung jener Erkrankung zu sein. Wir haben
dagegen in neuerer Zeit Beobachtungen gemacht, welche zeigen,
dass dieser Gegenstand als kein völlig abgeschlossener zu betrachten
ist.
Jene Beobachtungen sind folgende
a) Die in dieser Abhandlung bereits ausführlich dargelegte
Beschränkung der secundären Erkrankung in grösserer Entfernung
von der comprimirten Stelle des Rückenmarkes auf blosse Partien