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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Zippe.  Bericht  über  die  krystallographische  Preisaufgabe.  757

Bericht  über  die  eingegangene  Beantwortung  der  von
der  Akademie  gestellten  Preisfrage,  über  die  Bestimmung
der  Krgstallgestalten  in  chemischen  Laboratorien
erzeugter  Producte.
Von  dem  w.  M.  F.  X.  Zippe.
Die  Akademie  hatte  bei  Stellung  dieser  Frage  die  Absicht,  die
Kenntniss  derjenigen  unorganischen  Naturproducte,  welche  in  Folge
künstlicher,  von  Wissenschaft  geleiteter  Veranstaltung  sich  bilden,
hinsichtlich  ihrer  Gestalt  und  den  damit  zusammenhängenden
Eigentlnimlichkeiten  zu  fördern,  da  man  sich  bisher  grösstentheils
damit  begnügt  hat,  die  chemische  Zusammensetzung  dieser  Körper
ins  Auge  zu  fassen  und  sie  im  Wesentlichen  nach  den  qualitativen
und  quantitativen  Verhältnissen  derselben  zu  beurtlieilen,  sie  also
lediglich  nach  den  Gesetzen  chemischer  Verbindungen  und  den
daraus  sich  ergebenden  Reactions-Merkmalen  zu  classificiren  und  zu
unterscheiden.
Wenn  auch  nicht  in  Abrede  gestellt  werden  soll,  dass  diese
Verhältnisse  vorzugsweise  für  den  Chemiker,  der  sich  mit  der  Darstellung ­
  dieser  Producte  beschäftigt,  von  Interesse  sind;  so  stehen
dem  ungeachtet  die  Gestaltungsverhältnisse  derselben  hinsichtlich
der  ungemeinen  Mannigfaltigkeit  von  Formen  bei  einer  und  der
nämlichen  Substanz,  ferner  hinsichtlich  der  Constanz  der  Grundgestalten, ­
  welche  desshalb  als  sichere  Unterscheidungsmerkmale  betrachtet ­
  werden  können,  dann  der  schönen  Gesetze  wegen,  nach
welchen  die  Formen  einer  Substanz  unter  sich  und  mit  der  Grundgestalt ­
  Zusammenhängen,  unter  den  morphologischen  Eigenschaften
in  erster  Reihe.
Doch  nicht  diese  Rücksichten  allein  waren  es,  welche  die
Akademie  bestimmten,  Forschungen  über  diesen  Gegenstand  durch
eine  Preisaufgabe  zu  fördern.  So  weit  auch  bereits  unsere  Kenntnisse
in  den  Gestaltungsverhältnissen  krystallinischer  Substanzen  und  in
den  Verhältnissen  der  chemischen  Constitution  durch  zahlreiche
Forschungen  der  Krystallographen  und  Chemiker  erweitert  wurden;
so  fehlt  doch  noch  die  allseitige  und  umfassende  Kenntniss  des
Zusammenhanges  der  Gestaltungs-  und  anderen  physikalischen  Ver-
            
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