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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Über  Chile.

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hat  an  der  Fruchtbarkeit  des  Bodens  und  der  Ergiebigkeit  der
Ernte.  Man  düngt  in  Chile  nicht,  aber  ich  weiss  nicht,  ob  die  sogenannte ­
  Jungfräulichkeit  des  Bodens,  welcher  jetzt  an  vielen  Stellen
seit  der  Besitznahme  durch  die  Spanier  bebaut  wird,  die  Ursache
dieser  Fruchtbarkeit  ist,  oder  ausreicht  für  dieselbe.
Aber  fast  die  ganze  zur  künstlichen  Wässerung  benützte  Wassermenge ­
  besteht  aus  dem  Schneewasser,  welches  die  Flüsse  von
den  Cordilleren  herab  gegen  die  See  führen.  Diese  Wasser  sind  geschwängert ­
  mit  allen  Theilen  der  verschiedenen  Gesteine,  über
welche  sie  ihr  reissender  Lauf  herab  von  der  Höhe  des  Gebirges
führt,  und  so  wird  der  Erde  sicher  ein  grosser  Theil  der  anorganischen ­
  Substanz  wieder  zugeführt,  welcher  ihr  durch  die  Ernte  entzogen ­
  wurde.  Ich  habe  Analysen  solcher  Wasser  heigelegt,  welche
im  Laboratorium  meines  Freundes  des  Professors  Domeyko  in
Santjago  ausgeführt  worden  sind.
Was  ich  hier  über  Wässerung  und  Begenmangel  angedeutet,
bezieht  sich  übrigens  nur  auf  den  nördlichen  Theil  des  Landes.
Conception  und  Valdivia  haben  Begen.
Ich  habe  leider  nicht  das  Glück  gehabt  einen  Erdstoss  von  grösserer ­
  Intensität  in  Chile  zu  erleben.  Die  leichteren  Erschütterungen,
welche  dort  ziemlich  häufig  sind,  gewähren  indessen  schon  einen
Begriff  eines  Erdbebens.  Das  Wanken  des  Bodens,  auf  welchem  man
steht,  das  Gleiten  der  Gläser,  Lampen  und  anderer  Gegenstände
von  den  Tischen,  und  ähnliche  Erscheinungen  machen  einen  eigenthümlichen
  Eindruck,  welcher  indessen  dem,  der  längere  Zeit  auf  der
See  gewesen  ist,  doch  nicht  ganz  fremdartig  erscheint.  Der  unterirdische ­
  dumpf  rollende  Donner  hingegen,  vor  allem  aber  der  einstimmige ­
  Schrei,  welcher  in  grösseren  Städten  gleichzeitig  mit  dem
ersten  leisesten  Erzittern  der  Erde  von  der  erschreckten  Bevölkerung ­
  ausgestossen  wird,  ist  eine  neue  und  sicher  eine  unheimliche
Sache  für  den,  welcher  keine  weiteren  Gründe  hat,  der  Beobachtung
halber  sich  einen  etwas  kräftigen  Erdstoss  zu  wünschen.
Interessante  Beobachtungen,  welche  im  Jahre  1S22  über  das
grosse  zwei  Monate  dauernde  Erdbeben  angestellt  worden,  habe  ich
der  Abhandlung  heigefügt.  Sie  bestätigen  auch  schon  von  anderen
Orten  Berichtetes  und  in  alter  Zeit  Wahrgenommenes,  dass  nämlich
durch  grosse  und  fortwährende  Angst,  in  welcher  sich  die  dort
lebenden  Menschen  befanden,  alle  Krankheiten  einen  schlimmen,  epi-
            
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