Über Chile.
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hat an der Fruchtbarkeit des Bodens und der Ergiebigkeit der
Ernte. Man düngt in Chile nicht, aber ich weiss nicht, ob die sogenannte
Jungfräulichkeit des Bodens, welcher jetzt an vielen Stellen
seit der Besitznahme durch die Spanier bebaut wird, die Ursache
dieser Fruchtbarkeit ist, oder ausreicht für dieselbe.
Aber fast die ganze zur künstlichen Wässerung benützte Wassermenge
besteht aus dem Schneewasser, welches die Flüsse von
den Cordilleren herab gegen die See führen. Diese Wasser sind geschwängert
mit allen Theilen der verschiedenen Gesteine, über
welche sie ihr reissender Lauf herab von der Höhe des Gebirges
führt, und so wird der Erde sicher ein grosser Theil der anorganischen
Substanz wieder zugeführt, welcher ihr durch die Ernte entzogen
wurde. Ich habe Analysen solcher Wasser heigelegt, welche
im Laboratorium meines Freundes des Professors Domeyko in
Santjago ausgeführt worden sind.
Was ich hier über Wässerung und Begenmangel angedeutet,
bezieht sich übrigens nur auf den nördlichen Theil des Landes.
Conception und Valdivia haben Begen.
Ich habe leider nicht das Glück gehabt einen Erdstoss von grösserer
Intensität in Chile zu erleben. Die leichteren Erschütterungen,
welche dort ziemlich häufig sind, gewähren indessen schon einen
Begriff eines Erdbebens. Das Wanken des Bodens, auf welchem man
steht, das Gleiten der Gläser, Lampen und anderer Gegenstände
von den Tischen, und ähnliche Erscheinungen machen einen eigenthümlichen
Eindruck, welcher indessen dem, der längere Zeit auf der
See gewesen ist, doch nicht ganz fremdartig erscheint. Der unterirdische
dumpf rollende Donner hingegen, vor allem aber der einstimmige
Schrei, welcher in grösseren Städten gleichzeitig mit dem
ersten leisesten Erzittern der Erde von der erschreckten Bevölkerung
ausgestossen wird, ist eine neue und sicher eine unheimliche
Sache für den, welcher keine weiteren Gründe hat, der Beobachtung
halber sich einen etwas kräftigen Erdstoss zu wünschen.
Interessante Beobachtungen, welche im Jahre 1S22 über das
grosse zwei Monate dauernde Erdbeben angestellt worden, habe ich
der Abhandlung heigefügt. Sie bestätigen auch schon von anderen
Orten Berichtetes und in alter Zeit Wahrgenommenes, dass nämlich
durch grosse und fortwährende Angst, in welcher sich die dort
lebenden Menschen befanden, alle Krankheiten einen schlimmen, epi-