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Über Chile. 721
entstandenen sich in das Flachland stürzenden Wassermassen, noch verstärkt
wurden durch meteorische Wasser, welche in Form von Wolkenhrüchen
sich über dem Gebirge entluden.
Dess geben Zeugniss die mächtigen Schluchten der Cordilleren,
in denen heute noch die Flüsse gegen das Flachland zu ihren Lauf
s nehmen und Chile bewässern mit dem Wasser des geschmolzenen
Gletscher-Eises.
Aber auch jene Geröll- und Geschiebe-Ablagerungen, die so häufig
in Chile gefunden werden, verdanken ihren Ursprung jenen plötzlich
von den Anden herabstürzenden Fluthen. In Bolivia, namentlich
in der Wüste von Atacama, wo nie Regen fällt, wie ich in einer früheren
Abhandlung gezeigt habe, wahrscheinlich seit Hebung der Küste
nie fiel, tritt das eben Gesagte noch klarer hervor und wirkt bestätigend
zurück auf die Verhältnisse in Chile.
Die mineralogischen Verhältnisse des Landes habe ich in der
grösseren Abhandlung geschildert, so gut sie mir bekannt geworden
sind. Ich habe des Jodsilbers gedacht und des Bromsilbers, welche
dort gefunden werden, und des Reichthumes an Gold, Kupfer und
li Silber, den Chile besitzt, welcher aber, wie ich glaube, zur Zeit noch
nicht genug ausgebeutet wurde oder wenigstens nicht mit den Mitteln,
wie sie der Bergbau gegenwärtig bietet, obgleich man das
edle Metall dort so sehr schätzt und verehrt wie allenthalben auf
der Erde.
Reiche Goldseifen scheinen übrigens in Chile nicht vorzukommen;
doch wird, wenn des Winters bisweilen stärkere Regengüsse
fallen, in Valparaiso von armen Leuten Gold gewaschen, und in
Valdivia hielten die Spanier in früheren Zeiten die Eingebornen zum
Goldwäschen an.
So ist unter den edlen Metallen das Silber am reichlichsten in
Chile vertreten. Vielleicht aber gewinnen die Kupferwerke des Landes
in der Folge noch eine grössere Bedeutung als die Silber-Ausbeute.
Auch Kohalterze werden gefunden, und ich habe reiche Stufen
mitgebracht, welche auf den Cordilleren gewonnen wurden.
Interessant erscheint das Vorkommen des Atakamites allenthalben
an der Westküste von America, wo überhaupt Kupfererze Vorkommen.
Der reichen Ausbeute dieses seltenen Minerales in den Gruben
der Algodonbai habe ich früher ausführlich erwähnt, aber ich habe