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SITZUNG VOM 6. MAI 1853.
Eingesendete Abhandlung.
Über Chile.
Vom Freiherrn von Bibra.
Vor einiger Zeit hatte ich die Ehre, an die kaiserl. Akademie
der Wissenschaften eine Abhandlung einzureichen, welche meine in
jenem Lande gesammelten Erfahrungen enthielt.
Ich will versuchen in dem Folgenden eine kurze Skizze des dort
Ausgesprochenen zu geben.
Die Grenzen von Chile sind bekannt, weniger bekannt dürfte es
vielleicht sein, dass von den Chilenen selbst der ganze Verlauf der Westküste
von Chiloe bis zu Cap Horn noch als zu Chile gehörig betrachtet
wird, obgleich von Chiloe an weiter südlich keine chilenische Ansiedlung
oder Besitzung besteht. Ohne Zweifel hat man für die Folge
gesorgt.
Der schmale Landstrich, welcher Chile bildet, liegt zwischen
zwei Gebirgszügen. Gegen Osten ist es die Andeskette, die schützend
und schirmend gegen Menschen und Elemente den schmalen,
durchschnittlich etwa 20 Meilen breiten Streifen Landes vom übrigen
America trennt. Gegen Westen und die Küste bildend zieht sich parallel
mit den Anden die Küstenreihe la Cordillera de la costa, ein Gebirgszweig,
welcher, so viel mir bekannt, selten viel mehr als 3000' Höhe
erreicht und sich im Allgemeinen wohl zwischen 800—1200' erhält.
Das stille Meer umspült den felsigen Fuss dieser Küstenreihe,
nicht selten wenig entsprechend seinem friedlichen Namen durch
eine furchtbare Brandung, die meilenweit in der See gehört wird.
Das Flachland von Chile zwischen diesen beiden Bergketten ist
wohl an manchen Stellen durch kleinere Ausläufer dieser letzteren
durchbrochen, auch finden sich einzelne kegelförmige Berggebilde;
der Charakter des Landes aber mag immer bezeichnet werden durch
eine lange, gedehnte Ebene zwischen jenen beiden Gebirgen.
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