und blasiger Gebilde im thierischen Organismus.
551
Aber nicht immer hat die Natur ihre Entwickelungen an diese
Zwischenglieder gebunden, sondern sie weiss auch ähnliche Formen
wie die bisher beschriebenen auf einem anderen Wege zu erzeugen.
Die Blastemfurchung ist ein in der organischen Natur weit verbreiteter
Process, welcher die Mittel bietet, durch eine Combination
verwandter Formen die verwickeltsten Aufgaben thierischer Architektonik
zu lösen.
Blasteme entwickeln sich in allen jenen thierischen Flüssigkeiten,
welche zur Bildung organischer Theile bestimmt sind. Mit
dem Auftreten der Blasteme verlassen diese plastischen Flüssigkeiten
den Zustand der formellen Indifferenz, indem sie selbstständige Formen
entwickeln. Blasteme nenne ich kugelartige Massen, welche den
Gallertkugeln fast ähnlich, farblos, durchsichtig, schattenlos sind,
ihre ursprünglich runde Form gleich tropfenartigen Gebilden leicht
verändern, mannigfacher Verbindungen, Theilungen fähig sind, und
aus Proteinsubstanz bestehen. Sie bilden die Grundlage aller grösseren
thierischen Theile, und sie sind es auch, mit deren Veränderungen
wir uns im Folgenden hauptsächlich beschäftigen werden.
Einige der wichtigeren Veränderungen werde ich vorausschicken.
Das Blastem — ein mikroskopisches Gebilde — kann, da es
ganz durchsichtig ist, in der plastischen Flüssigkeit, in der es vorkommt,
oft nur mit Mühe gesehen werden. Bald aber tritt es dadurch
deutlicher hervor, dass sich seine periphere Schichte trübt, während
das Innere hell bleibt. Zusatz von Weingeist hebt diesen Unterschied
noch deutlicher hervor. Dieser Trübung folgt bald eine
grössere Zähigkeit der äusseren Schichte, und hiermit ist der Anfang
eines bläschenartigen Gebildes gegeben. Die Dicke der äusseren
Schicht— Wandschichte von nun an genannt— ist aber keineswegs
eine ganz zufällige; sie folgt vielmehr dem allgemeinen Entwickelungsgesetze
S = 3M-)-l und Z= nÄ-(n-l) 0-5, d. h. sie
lässt sich gerade so berechnen, als wäre sie ein aliquoter Theil der
oben sogenannten Aussenschale oder diese Aussensehaie der Keim
selbst, und ihre Berechnung soll später auch wirklich auf dieses
Gesetz gegründet werden. Hat sich das Blastem in dieser Weise
zu einem bläschenartigen Gebilde umgestaltet, so wird es von mir
Keim genannt, wie jene oben geschilderten aus Aussenschale,
Kernschale und Markraum bestehenden Gebilde. Seine Form ist in
Flg. 12 abgebildet.
SUib. d. mathcin.-natunv. CI. X. Bd. IV. Hft.
39