Über das Gefrieren des Wassers im luftverdiinnten Raume.
539
wahrscheinlich nicht die niedrigste, welche man auf diesem Wege
zu erzeugen vermag. Denn offenbar würde bei einer grösseren Menge
von Eis, einer Beförderung der Verdunstung durch vollkommnere
Verdünnung der Luft und raschere Absorption, sowie einer stärkeren
Abkühlung von aussen, noch eine niedrigere Temperatur erreicht werden
können, indem die Grenze der weiteren Erkaltung erst dann eintritt,
wenn das Eis die Temperatur erreicht hat, bei welcher es gar
nicht mehr verdunstet. Der Mangel an Schnee in diesem Winter
hinderte mich, die Versuche in der angezeigten Richtung fortzusetzen.
Ich musste mich daher begnügen, wenigstens noch den Einfluss eines
kräftiger wirkenden absorbirenden Mittels als die Schwefelsäure ist
auf den hervorzubringenden Kältegrad zu untersuchen. Ich wählte
hierzu die wasserfreie Phosphorsäure, welche ausser ihrem an sich
stärkeren Verdichtungsvermögen für Wasserdünste noch den grossen
Vorzug des pulverigen Zustandes besitzt, vermöge welchem sie sich
nicht wie die Schwefelsäure mit einer Schichte von Flüssigkeit bedeckt,
die nur wenig Wasser mehr aufnimrot, während die unteren
Schichten der Säure noch fast ganz unverdünnt sind. Die zu dem folgenden
Versuche (18) dienende Phosphorsäure wurde, wie ich es bei
einer anderen Gelegenheit 1 ) beschrieben habe, durch Verbrennen
von amorphem Phosphor in trockener atmosphärischer Luft erzeugt,
und war so vollkommen wasserfrei, dass sie als ein staubiges, von
unverbranntem amorphen Phosphor blass-röthlich gefärbtes Pulver
erschien. Die Temperatur des Eiscylinders sank, nachdem bis auf
2 Mm. ausgepumpt war, schon nach 45 Minuten bis auf —31°
herab, während das neben demselben hängende Thermometer nicht
unter -j- 12° ging. Dieser Versuch musste leider unterbrochen,
werden da die Menge der angewendeten Phosphorsäure zu gering
war und daher zu bald an Absorptionsvermögen verlor. Aus der
kurzen Zeit aber, in welcher das Thermometer einen so niedrigen
Stand erreichte, darf man schliessen, dass man in der That bei einer
genügenden Menge dieser Säure unter das oben angegebene Minimum
der Temperatur gelangen kann. Die Umstände erlaubten mir jedoch
nicht dieVersuche für jetzt in dieser Richtung fortzusetzen.
')
Die Äquivaletltbestimm^lng• des Phosphors. In den Denkschriften der k. Akademie
der Wissenschaften, Bd. IV, S. 119.